Bei keiner Wählerschicht kann sich die Volkspartei in diesem Land vermutlich so sicher sein wie bei den Landwirten. Die machen ihr Kreuz stets an der "richtigen" Stelle, für immer und ewig. Kein Wunder, schauen doch die Partei und die in die Regierung entsandten Vertreter brav auf ihre Klientel.

Auch wenn Brüssel Agrarsubventionen zusammenstreicht, um Gleiches auch von den USA fordern zu können, es fallen hierzulande dem Landwirtschaftsminister und seinen schlauen Beamten immer wieder Möglichkeiten ein, öffentliche Gelder in Richtung der Agrarier umzuleiten.

Glücklicherweise ist der Landwirtschaftsminister auch noch Umweltminister, die Erfüllung des Kioto-Ziels reduzierter CO-Emissionen dürfte ihn daher viel mehr als seinen Vis-à-vis-Nachbarn im Regierungsgebäude, den Wirtschaftsminister, interessieren. Die verpflichtende Beimischung von Biosprit zu Treibstoffen erscheint hiefür als probates Mittel.

Dass der Sprit dadurch vorderhand ein wenig "sauberer" wird, ist unbestritten. Doch hinterfragt man die Umweltmaßnahme, bekommt sie Flecken: Bei der Energiebilanz sieht es beim Grundstoff Raps nicht gut aus, wenn mineralischer Dünger verwendet wird, so Experten.

Umweltorganisationen warnen vor Negativfolgen für Grundwasser und Boden. Müsste doch die Anbaufläche in Österreich von derzeit rund 30.000 Hektar auf 400.000 gesteigert werden. Das ist zwar nicht realistisch, doch die Bauernschaft darf sich über De-facto-Abnahmegarantien für sämtlichen Raps freuen, den sie anbaut.

Dass ähnliche Mengen Geld an Klimaschutzmaßnahmen wie die steuerlich begünstigte Wärmedämmung fließen, ist nicht zu erwarten. Die Arbeiter in der Bauwirtschaft, deren Jobs dadurch sicherer wären, wählen eher selten ÖVP. (DER STANDARD Printausgabe, 07.09.2004)