Die führenden heimischen Unternehmen für Internet und Internettechnik haben sich zu einer "Arbeitsgemeinschaft Breitband" zusammengeschlossen und fordern nun gemeinsam einen neuen Regierungsplan zum Ausbau des Internets in Österreich. Laut UTA -Chef Günther Ofner wären dafür statt derzeit 20 bis 30 Mio. Euro öffentlicher Förderung "weit über 100 Mio. Euro" aus der öffentlichen Hand notwendig. Außerdem solle anstelle der derzeitigen Möglichkeit zur Abschreibung von Internetkosten die Mehrwertsteuer auf Breitbandinternet-Gebühren generell auf 10 Prozent halbiert werden.

UTA, Telekom Austria, die UPC Telekabel (Chello), IBM, Siemens, Kapsch, Alcatel, Cisco, SAP, HP und Microsoft

"Die öffentlichen Mittel müssen jedenfalls so hoch sein, dass jener Betrag, der nicht erwirtschaftet werden kann, abgedeckt ist", betonte Ofner am Rande einer Pressekonferenz der neuen ARGE, der neben UTA auch die Telekom Austria, die UPC Telekabel (Chello), IBM, Siemens, Kapsch, Alcatel, Cisco, SAP, HP und Microsoft angehören. Einnahmen aus der Versteigerung aus Telekom- und Mobilfunklizenzen etwa könnten nach Meinung des UTA-Chefs zweckgewidmet werden. Darüber hinaus ist Ofner für eine Änderung der Telekom-Regulierungspolitik. Festnetzinvestionen dürften nicht auf Dauer durch Mobilfunkeinnahmen quersubventioniert werden, meint der UTA-Chef, dessen Unternehmen anders als etwa die Telekom etwa nur im Festnetz aktiv ist.

Empfehlungen an die Regierung

Telekom Austria-Festnetzchef Rudolf Fischer, eigentlicher Initiator der neuen ARGE, wollte sich daher am Montag nicht auf die konkreten Vorschläge Ofners einlassen. Die Empfehlungen an die Regierung würden bis Jahresende noch innerhalb der ARGE ausdiskutiert werden, betonte Fischer.

Ziel

Die ARGE erachtet es als notwendig, dass 60 Prozent der Haushalte bis 2006 und 75 Prozent der Haushalte bis 2008 einen Breitbandanschluss tatsächlich nutzen. Das Breitbandinternet, so das Credo, benötige einen ähnlichen Masterplan wie den Generalverkehrsplan für Straße und Schiene. Kommt es zu keiner neuen Initiativen, betonte Fischer aber unter Verweis auf eine aktuelle Studie von Arthur D. Little, könnten bis 2008 gerade einmal 40 Prozent der Haushalte mit Internet versorgt werden.

"Geringe Dynamik"

Im Vorjahr ist die Zahl der Breitbandinternet-Kunden um 37 Prozent gestiegen. Was in anderen Telekom-Bereichen als riesen Erfolg gilt, läuft im Breitbandinternet unter "geringer Dynamik". Vergleichbare Länder nämlich hätten im Vorjahr wesentlich stärker zugelegt - Schweden etwa um 74 Prozent und Großbritannien gar um 120 Prozent. Österreich sei dadurch im weltweiten Ranking auf Rang 17 "durchgereicht" worden, im Teilbereich Technik sogar auf Rang 27, so Fischer. Im Standortwettbewerb verlieren, meint der TA-Vorstand, würde Österreich vor allem gegenüber den neuen Erweiterungsländern. Was allerdings relativiert wird durch eine Städte-Statistik, nach der Wien mit einer Breitbandinternetdichte von 38 Prozent europaweit im Breitband die Nummer Eins ist.

8,5 Mrd. Euro umgesetzt

Insgesamt haben die Unternehmen in der ARGE im Vorjahr rund 8,5 Mrd. Euro umgesetzt. Das Gesamtvolumen des österreichischen IT- und Telekommunikationsmarkts beziffert die Interessensgemeinschaft mit rund 13,4 Mrd. Euro, rund 60 Prozent davon stehen demnach im engen Zusammenhang mit Breitbandinternet. In Zukunft, so die Werbebotschaft, werden rund 25 bis 30 Prozent des gesamten österreichischen Produktivitätswachstums vom Breitbandinternet abhängen. (APA)