Den Haag - Mit der Verurteilung des bosnischen Kroaten Tihomir Blaskic zu 45 Jahren Gefängnis hat das UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien seine bisher höchste Strafe verhängt. Seit seiner Gründung am 25 Mai 1993 hat das Gericht 16 Urteile gefällt, darunter zwei Freisprüche. Nur zwei der Schuldsprüche sind bereits rechtskräftig. Gegen alle übrigen Urteile haben entweder die Verteidiger oder die Anklage Berufung eingelegt. In 68 Fällen hat das Tribunal in Den Haag bisher offiziell gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher auf dem Balkan ermittelt. Alle verkündeten Urteile fußten auf dem Vorwurf von Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen. Der schwerste vor dem UNO-Gericht verhandelbare Vorwurf, Völkermord, kam bisher noch nicht zum Tragen. Die 16 verurteilten Kriegsverbrecher aus dem ehemaligen Jugoslawien erhielten Haftstrafen zwischen zweieinhalb und 25 Jahren. Die prominentesten Angeklagten des Haager Tribunals befinden sich allerdings bis heute auf freiem Fuß: Der im vergangenen Mai wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagte jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic herrscht weiter in Belgrad. Andere als Kriegsverbrecher Gesuchte wie der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und sein einstiger Armeechef Ratko Mladic wurden ebenfalls bisher nicht festgenommen. Laut seinen Statuten soll das Haager UNO-Tribunal Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord ahnden. Dem Gericht stehen 14 Richter zur Verfügung. (APA)