... konstatiert Heidrick-&-Struggles- Chef Stefan Steger


"Heidrick & Struggles (H & S), das vor 51 Jahren in Chicago gegründete Executive-Search-Unternehmen, kam 1999 nach Österreich in einer sehr guten Zeit. Die Zeiten haben sich rasch geändert, die Organisationsstruktur wurde darauf abgestimmt. Gerade junge Strukturen werden unter nicht einfachen Rahmenbedingungen erschüttert", so Stefan Steger, seit 3,5 Jahren Leiter von H & S Österreich.

Stefan Steger, war eineinhalb Jahre in Paris, wo er auch dissertiert hat, ehe ihn seine berufliche Laufbahn auch als Geschäftsführer einer VA-Tech-Tochter nach Zürich führte. "Wien, wo derzeit zwei Partner und neun Mitarbeiter angesiedelt sind, ist der Kern der Osteuropa Aktivitäten von H & S", erläutert der Jurist.

30 bis 40 Prozent des Umsatzes gerierten sich aus anderen Dienstleistungen als dem Executive Search, der traditionellen Kernkompetenz von H & S. Zum Beispiel Assessment-Projekte erfreuten sich zunehmender Nachfrage.

Das Mindesthonorar für einen Search-Auftrag für Spitzenpositionen im Management liegt übrigens bei 35.000 Euro. Das ist im Fall osteuropäischer Managergagen oft mehr als das berühmte Drittel eines Jahreseinkommens, das Headhunter üblicherweise für die Besetzung in Rechnung stellen. - Dennoch sei gerade dort das Bewusstsein um die Bedeutung professioneller Führungskräftesuche weit verbreitet, so Steger.

Gesucht würden mehrheitlich lokale Manager, nicht Expatriates. In marktwirtschaftlich bereits sehr reifen Ländern wie Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei wäre ein Expatriate unter der Rubrik "unnatürlich" einzureihen. Auch die Einkommen lokaler Manager hätten sich dort sehr stark an westliches Niveau angeglichen, es in überhitzten Phasen in Polen zum Beispiel gar übertroffen. Er sieht in Osteuropa nicht nur wichtige Absatzmärkte, sondern betont die Bedeutung des interkulturellen Austauschs, weshalb er sich verstärkt um den "Import" von Führungskräften aus diesen Ländern nach Österreich bemüht.

Ob der gebürtige Salzburger Österreichern, deren Karrieren stagnieren, den Wechsel - möglicherweise gar nach Osteuropa empfiehlt?

"Die meisten Unternehmen folgen hierzulande derzeit kostengetriebenen Strategien. Die Leute, auch Manager, sind in ihren Lebenskonzepten sehr verunsichert", beobachtet der 36-Jährige.

Zum Thema nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Personalpolitik fällt dem Absolventen eines IMD-MBAs ein, dass Familienunternehmen den Faktor der Mittel-und Langfristigkeit vielfach stärker im Griff hätten und damit tendenziell bessere Entscheidungen träfen.

Wo er aktuell neuen Managerbedarf ortet? - Steger: "Unternehmensnachfolge ist ein großes Thema und Corporate Security Manager, ein hierzulande noch nicht sehr geläufiger Beruf, im Kommen. "Da denkt man bei uns noch zumeist an Werkschutz. Die Materie ist aber komplex. Es geht um die Ordnung und Sicherung von Daten, Anlagen und Intangibles. "

Und wer ist auch im angestrengten Arbeitsmarkt kaum zu finden? "Schwer findet man nach wie vor die ganz exzellenten Leute. Die Ansprüche sind gestiegen, Unternehmen verlangen wahnsinnig viel Flexibilität, bieten aber wenig", beobachtet der H-&-S-Österreich-Chef. Zusätzlich ließe oft die Präzision der Ziele zu wünschen übrig. Unternehmen könnten diese oft nicht ausreichend konsistent kommunizieren. Selbst Führungskräfte, die nachweislich glänzende Leistungen erbracht hätten, seien oft nicht ausreichend über die Ziele ihres Unternehmens informiert. "Wäre das anders, würden sich gute Leute auch viel lieber auf schwierige Managementaufgaben einlassen." (Der Standard, Printausgabe 18./19.9.2004)