Dass es einem im Zustand der Erschöpfung gelingen kann, durch eine finale Kraftanstrengung Gewaltiges zu bewegen, bewies der Kärntner Vierer Naked Lunch mit seinem Album Songs For The Exhausted. Den "ewigen Indie-Pop-Hoffnungsträgern" (Falter) gelang damit ein Werk, dass selbst die größten Skeptiker ihre Vorurteile dieser Band gegenüber noch einmal überdenken ließ.

Formal zwischen Meisterwerken wie The Soft Bulletin von den Flaming Lips, einem bettlägrig anmutenden John-Lennon-Idiom und der behutsam elektronisch durchwirkten Gitarrenpoppigkeit von The Notwist angesiedelt, klingt Songs For The Exhausted wie das Album einer Formation, die nichts anderes will, als es sich selbst noch einmal zu beweisen. Diese nicht vorhandene oder zumindest nicht spürbare Gefallsucht machte letztlich den Unterschied zu früheren Werken aus, in denen die Band zu sehr nach ihren Vorbildern aus der Welt des Grungerock geklungen hatte, und ebnete so den Weg zu einem kleinen Meisterwerk.

Gerade einmal zehn Songs umfasst das Album, nach denen jedoch alles gesagt erscheint. Am Donnerstag präsentiert man diese hermetisch anmutende Songsammlung live im ansprechenden Rahmen des Wiener WUK. (flu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 9. 2004)