Wien - Was die betriebliche Weiterbildung betrifft, hinken Österreichs Unternehmen ihren internationalen Konkurrenten weit hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wiener Unternehmensberatung 3s. In den österreichischen Unternehmen werden deutlich weniger Beschäftigte in kursförmige Weiterbildungsmaßnahmen integriert als in anderen Ländern, zudem wird ein deutlich geringerer Anteil der bezahlten Arbeitszeit dafür verwendet.

EU 15-Schlusslicht bei Pro-Kopf-Weiterbildungsausgaben

Beim größten Teil der untersuchten Indikatoren liegt Österreich im letzten Drittel der (zum Erhebungszeitpunkt noch 15) EU-Staaten. Mit jährlichen Gesamtkosten pro Weiterbildungsteilnehmer von 1.160 Euro (kaufkraftbereinigt) befinden sich die heimischen Unternehmen sogar an letzter Stelle.

Zwar bieten 72 Prozent der österreichischen Unternehmen ab zehn Beschäftigten Weiterbildung an, womit Österreich im Mittelfeld liegt. Insgesamt sind allerdings nur 31 Prozent aller Beschäftigten in Weiterbildungsaktivitäten einbezogen - das ergab nur Rang elf unter den EU-15. Einbezogen wurde Weiterbildung, die von Betrieben initiiert oder bezahlt wird.

Nur 1,3 Prozent des Personalbudgets für Bildung

Noch schlechter sieht es in anderen Kategorien aus: Mit einem Anteil der Weiterbildungskosten an den gesamten Personalkosten von nur 1,3 Prozent liegen die österreichischen Unternehmen auf dem drittletzten Platz und werden nur von Griechenland (0,9 Prozent) und Portugal (1,2 Prozent) unterboten. Spitzenreiter sind Dänemark (3 Prozent), Schweden und die Niederlande (je 2,8 Prozent).

KMU schneiden nicht schlechter ab als Große

Große Unterschiede ergeben sich für Österreich bei der Weiterbildungsaktivität der einzelnen Branchen. Während im Kredit- und Versicherungswesen 54 Prozent aller Beschäftigten mindestens einmal im Jahr an einer betrieblichen Weiterbildung teilnehmen, sind es in der Textilindustrie und im Gastgewerbe jeweils nur knapp 16 Prozent. Erfreulich: Kleinbetriebe weisen nicht grundsätzlich niedrigere Weiterbildungsaktivitäten auf als Großbetriebe.

Die Gesamtkosten der betrieblichen Weiterbildung in Österreich werden in der Studie auf rund 850 Mio. Euro geschätzt - 506 Mio. Euro werden unmittelbar für Weiterbildung eingesetzt, 346 Mio. Euro entfallen auf die indirekten Kosten (Personalausfall). Den größten Anteil an den Gesamtausgaben (rund 132,3 Mio. Euro) wendet das Kredit- und Versicherungswesen (130.000 Beschäftigte) auf. Zum Vergleich: Das Gastgewerbe mit 176.000 Beschäftigten kommt nur auf 6,8 Mio. Euro. (APA)