August Wöginger ist mit 29 Jahren einer der Jüngsten im Parlament.

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Man kann ihn aber kennen: August Wöginger hat bereits für Aufsehen gesorgt, als er eine Abstimmung verpasst hat. Sonst legt es der 29-jährige Abgeordnete der ÖVP aber eher ruhig an. Ein Platz in der ersten Reihe interessiert den Innviertler gar nicht.

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Der Portier im Parlament kennt ihn nicht, und auch eine Kollegin im ÖVP-Klub fragt ratlos: Ist das ein Bundesrat? Nein, August Wöginger ist Abgeordneter zum Nationalrat und das schon seit Dezember 2002. Er sitzt in der letzten Reihe und ist bisher kaum aufgefallen - obwohl er es sogar einmal zu einem "Kopf des Tages" im STANDARD geschafft hat.

Die Eigenleistung war aber gering: Er war zur falschen Zeit am richtigen Örtchen. Im Juni 2003 stimmte Wöginger als einziger Abgeordneter der schwarz-blauen Koalition nicht für die Pensionsreform. Er hatte die Abstimmung verpasst - auf der Toilette. "Eine Darmverstimmung", sagt er, "kann jedem passieren".

Dass er als Abgeordneter praktisch kaum Widerhall findet, stört den 29-Jährigen nicht. "Ich bin nicht der, den ganz Österreich kennen muss", sagt er bescheiden. "Für mich ist wichtig, dass ich zu Hause bekannt bin." Zu Hause ist das Innviertel, Wöginger wohnt in Schärding. Von dort aus ist er auch für das Parlament aufgestellt worden, und dort macht er seine Runden: Feuerwehrfest, Sportfest, Musikfest, Bierrunden zahlen, Pokale stiften. Daher findet er auch sein Gehalt von 3200 Euro netto im Monat "angemessen": "Ich bin ja als Abgeordneter 60 bis 80 Stunden in der Woche beschäftigt und unterwegs." Nachsatz: "Sonst wird man es ja auch nicht."

Hochfliegende Karrierepläne hat Wöginger derzeit nicht: "Ehrlich gesagt bin ich im Augenblick sehr damit beschäftigt, mein Mandat auszufüllen. Meine erste Priorität ist erst einmal, das Mandat abzusichern." 1999 hat er das erste Mal kandidiert, da ist es sich nicht ausgegangen, erst mit dem Wahlerfolg 2002 hat er es ins Parlament geschafft. Und leicht sei es nicht, in der Politik etwas zu werden, vor allem als Junger. Dass er es dennoch geschafft hat, verdanke er der Vielfalt in der ÖVP.

Wöginger hat ganz unten angefangen, es aber rasch hinauf geschafft, wenn auch über die klassische Karriere. Mit 15 zur Jungen ÖVP in seinem Heimatort Esternberg, dann dort Obmann, schließlich Gemeinderat, Bezirksobmann - und plötzlich Parlament.

Wögingers Eltern, die eine Radfähre an der Donau betreiben, wählen natürlich ÖVP, seien aber unpolitisch. Ihn selbst hat es in die Politik gedrängt, weil er mitbestimmen wollte. Das kann er vorwiegend im ÖAAB, im Parlament kommt es noch nicht so auf ihn an, räumt er ein. Aber irgendwann wird auch er in den Sitzreihen nach vorne rücken, "das geht automatisch mit dem Dienstalter", sagt er.

Einzig in die erste Reihe kommt man nur kraft einer Funktion. "Das kann ich mir derzeit nicht vorstellen." In der nächsten Zeit wird er auch privat ziemlich angehängt sein, seine Freundin erwartet ein Kind. "Geheiratet wird erst nachher", sagt Wöginger, "die Zeiten, wo einen die Leute in der ÖVP deswegen schief angeschaut haben, sind vorbei". (Michael Völker /DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2004)