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Dieser Wunsch eines Demonstranten dürfte kaum in Erfüllung gehen: Legt Fox-TV still!

Foto: AP/Talaie
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nach dem kapitalen Bock, den der amerikanische Fernsehsender CBS mit der Veröffentlichung von gefälschten Dokumenten über die Militärvergangenheit von US-Präsident George W. Bush geschossen hat, hat sich "Medienmogul" Rupert Murdoch am Mittwoch höchstpersönlich zu Wort gemeldet. Wenn sich Fox TV, sein Sender, der wegen seiner exzessiv pro-republikanischen Berichterstattung von der US-Linken heftig attackiert wird, einen solchen Fehler geleistet hätte, wäre es "ans Kreuz geschlagen worden", meinte Murdoch.

Das "Wall Street Journal" sah es auf seiner stark republikanerfreundlichen Kommentarseite so: Die unter dem Kürzel "Memogate" firmierende Affäre sei nur ein besonders offenkundiges Beispiel für den Verfall der journalistischen Sitten bei CBS. Auf anderem Gebiet äußere er sich etwa darin, dass fast ausschließlich von Selbstmordattentaten und Geiselnahmen im Irak berichtet werde, nicht aber vom zarten Aufknospen der Demokratie. Wo habe man zum Beispiel jemals von Achmed Mutlok Oda gehört, jenem Iraker, der als erster Bürger seines Landes im Ort Wynot in der Nähe von Tikrit bei Kommunalwahlen seine Stimme abgegeben hat?

Aber auch auf der Linken ist man erbittert über CBS. In "The Nation" meint Kolumnist John Nichols, CBS-Anchor Dan Rather habe mit seiner Enthüllung eine unnütze Fleißaufgabe absolviert. Bushs lückenhafte Diensterfüllung bei der Nationalgarde zur Zeit des Vietnamkriegs sei ohnehin schon ausreichend von der texanischen Kolumnistin Molly Ivins dokumentiert worden.

"Lügen" über Linke

Die Berichte seien vor allem aber politisch kontraproduktiv, weil sie der Rechten erlaubten, mit "der Lüge, dass die linken Medien die Vergangenheit des Präsidenten in verzerrtem Licht darstellen wollten, hausieren zu gehen." Die CBS-Kontroverse ist nicht nur im Kontext einer polarisierten US-Politlandschaft zu sehen, sondern auch in dem einer durch das Internet massiv veränderten Medienlandschaft. Vor allem die Internet-Blogger, die das politische Geschehen akribisch verfolgen und unverblümt kommentieren, treiben die großen Medien vor sich her: Die ersten Zweifel an der Authentizität der von CBS präsentierten Dokumenten waren diesmal im Internet aufgetaucht.

Welche Bedeutung den Bloggern inzwischen eingeräumt wird, zeigt sich daran, dass erstmals eine - vorerst noch geringe - Anzahl von ihnen bei den Nominierungsparteitagen in Boston und New York City genauso akkreditiert wurde wie die Repräsentanten "traditioneller" Medien auch.

Die Nachfrage nach einer "klassischen" Serviceleistung von Fernsehnachrichten scheint indes zurück zu gehen: Eine neutral-distanzierte Berichterstattung paßt immer schwerer in einen Medienkosmos, der durch scharf zugespitzte politische Ansichten charakterisiert ist.

Fox TV feiert mit seiner ungenierten Parteilichkeit dagegen folgerichtig Triumphe: Beim Auftritt Arnold Schwarzeneggers auf der republikanischen Konvention in New York sahen über fünf Millionen Zuschauer zu - das Nachsehen hatten die Konkurrenten ABC, NBC und CBS. (Christoph Winder/DER STANDRAD, Printausgabe, 25./26.9.2004)