"Leider ja". Nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder wurden in Österreich während des Zweiten Weltkrieges eingesetzt. Dies sagte die Regierungsbeauftragte und Ex-Nationalbankpräsidentin Maria Schaumayer im Interview mit dieStandard.at . Wieviel Frauen es unter den 240.000 Zwangsarbeitern gibt, wisse sie nicht. Jedenfalls seien Frauen, Kinder und Männer wahllos auf den Straßen ihrer Heimatländer aufgegriffen und in Lastwägen nach Österreich befördert worden. "Eine schreckliche Sache" (Schaumayer). Die neue schwarz-blaue Regierung hat das ÖVP-Mitglied Maria Schaumayer aus der Pension zurückgeholt und der 69-Jährigen die heikle Aufgabe übertragen, über eine finanzielle Entlastung der noch lebenden ZwangsarbeiterInnen zu verhandeln. Schaumayer genießt vor allem in Wirtschaftskreise größten Respekt. Die frühere Finanzchefin des Mineralölriesen ÖMV war die erste Nationalbankpräsidentin der Welt. 1991 hat sie mit ihrem eigenen Geld die "Dr.Schaumayr-Stiftung" gegründet. Damit werden wissenschaftliche Arbeiten über Frauen finanziert. Auch Männer können davon profitieren, wenn sie Arbeiten über Frauen schreiben. Massiv ins Zeug gelegt hat sie sich auch fürs Zustandekommen des Ersten Journalistinnenkongresses in Wien im Jahr 1998, der seitdem jährlich stattfindet. Schon früher hat sie Frauen gefördert, wenngleich nicht in so spektakulärer Weise. So hat sie als Nationalbankpräsidentin Interview-Wünsche weiblicher Journalistinnen vorrangig erfüllt. Warum sie Frauen fördert? "Weil ich glaube, dass es zu den Menschenrechten gehört, Frauen zu fördern." Wie stellt sich die Regierungsbeauftragte zur Abschaffung des Frauenministeriums? Sie findet es ungleich wichtiger, eine "vollbefugte Frau als Vizekanzlerin" zu haben, als ein "Ghettoministerium". "Wir sind heute über diese Ghettozeit hinaus. Wir haben mehr erreicht". Das sei nicht zuletzt auch durch die Arbeit der bisherigen Frauenministerinnen gelungen. Jetzt aber sollten Frauen in allen Bereichen tätig sein, meint Schaumayer. (lyn)