Muster heizt Koubek ein.

Wien/Madrid - Man kann es auch positiv sehen: Immerhin wurden die Hoffnungen zu 100 Prozent nicht erfüllt. Österreichs Daviscupteam hat weder ein Heimspiel, in dem man Geld horten kann, noch einen leichten - im Sinne von durchaus schlagbaren Gegner - zugeteilt bekommen. Was sich der Tennisweltverband ITF gestern in Madrid Auslosung geleistet hat, grenzte schon an eine Frechheit. Die zehnte Teilnahme einer österreichischen Auswahl in der Eliteklasse führt vom 4. bis zum 6. März 2005 nach Australien. Der Aufenthalt wird so zehn Tage dauern, man muss sich nämlich ans andere Ende der Welt erst gewöhnen.

Captain Thomas Muster nahm die Kunde relativ gelassen auf: "Man muss mit Tatsachen leben und sie positiv nehmen. Favoriten auf den Daviscupsieg sind wir ja in keinem Fall. Es ist eine reizvolle Aufgabe, deshalb sage ich nicht um Gottes Willen. Wenigstens komme ich wieder in meine alte Heimat." Als Kenner der australischen Verhältnisse fallen ihm spontan Adelaide (Geburtsstadt von Lleyton Hewitt), Melbourne-Kooyong und Sydney als mögliche Austragungsstätten ein, als Belag drängt sich eindeutig Rasen auf. "Oder ein Rebound Ace." Generell müsse aber ein schneller Boden kein Nachteil sein. "Das ist eher ein Vorteil für den Schlechteren. Hält man das Service, kann alles passieren. Auf Sand hingegen gewinnt immer der Stärkere."

Die Australier kamen wie Österreich via Relegation in die Weltgruppe (4:1 gegen Marokko), der Captain geht davon aus, "dass Hewitt, Wayne Arthurs, Todd Woodbridge und Mark Philippoussis spielen werden. Obwohl bis März einiges passieren kann." Sein Team werde wohl ident mit jenem vom 3:2 gegen Großbritannien sein, es bleibt bei Stefan Koubek, Jürgen Melzer, Julian Knowle und Alex Peya. "Innerhalb dieser Mannschaft haben wir Alternativen. Melzer ist auf Rasen gefährlich, Knowle stand in Wimbledon im Doppelfinale."

Koubeks Begeisterung hielt sich in Grenzen: "Im Vorjahr die USA und ein 0:5, jetzt Australien. Mehr Pech geht nicht. Hewitt ist absolute Weltklasse, aber auch nicht unschlagbar. Das größte Handicap ist die Entfernung. Wir müssen nach den Australian Open bis zum Daviscup Turniere spielen und damit zweimal dorthin fliegen. Wenigstens sammelt man viele Meilen."

Die Aussies gewannen die Salatschüssel 28 Mal, zuletzt im Vorjahr gegen Schweden (3:1). Heuer revanchierten sich die Skandinavier in der ersten Runde (4:1), deshalb musste Hewitt in die Relegation. Captain ist John Fitzgerald, der war 1989 in Wien dabei, als Muster, Skoff und Antonitsch 5:0 siegten. 1905 und 1906, in der Steinzeit des Tennis, verlor Österreich. Musters Aussicht für 2005: "Wir fahren hin, um weiterzukommen." (DER STANDARD, Printausgabe, 1. Oktober 2004, Christian Hackl)

WELTGRUPPE - 1. Runde
(4. bis 6. März 2005):

  • Spanien (1) - Slowakei
  • Schweiz (7) - Niederlande
  • Australien (4) - ÖSTERREICH
  • Argentinien (6) - Tschechien
  • Chile - Russland (5)
  • Schweden - Frankreich (3)
  • Rumänien - Weißrussland (8)
  • Kroatien - USA (2)

    Viertelfinale: 15. bis 17. Juli 2005
    Semifinale: 23. bis 25. September 2005
    Finale 2. bis 4. Dezember 2005