München - Zehn Jahre hat es gedauert, bis die Witwe des Schauspielers Heinz Rühmann Einblick in ihre persönlichen Erinnerungen an den großen deutschen Publikumsliebling gibt. Hertha Rühmann stellte am Donnerstag ihre Autobiografie "Meine Jahre mit Heinz" vor, in der sie über die zwei Jahrzehnte der gemeinsamen Ehe berichtet. "Ich lebe eigentlich mit ihm weiter, ich kann es nicht anders ausdrücken", sagte die 80-Jährige.

Sie habe für ihre Erinnerungen jedoch zeitlichen Abstand zu dem Tod ihres Mannes gebraucht, der am 3. Oktober 1994 im Alter von 92 Jahren gestorben war. "Ich habe versucht, in dem Buch eine gewisse Leichtigkeit zu erzeugen, das wäre mir damals nicht gelungen", sagte die Autorin. Außerdem habe sie auf einen Co-Autor verzichtet, weil ihr es schwer falle, einem Dritten persönliche Erinnerungen zu erzählen. "Ich habe es ganz allein geschrieben, weil es gar nicht anders ging."

Obwohl sie einen Großteil ihres Lebens mit dem Filmidol verbrachte, habe auch sie keine simple Erklärung dafür, was ihren Mann über Jahrzehnte beim deutschen Filmpublikum so erfolgreich gemacht hat: "Ich habe es erlebt, dass sich viele sehr kluge Leute den Kopf darüber zerbrochen haben." Sie selbst könne es aber nur erahnen: "Er war kein Kopf-Schauspieler, es kam bei ihm aus dem Gefühl, aus dem Herzen und das kommt, glaube ich, sehr gut an."

In dem Buch, dass die Exfrau des verstorbenen Verlegers Willy Droemer auf Drängen ihres Sohnes aus erster Ehe schrieb, beschreibt die Schauspieler-Witwe zahlreiche Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit. Etwa als ihr Mann gerade eine schwere Operation hinter sich hatte und sie mit ihm im Auto an blühenden Rapsfeldern vorbeigefahren sei: "Fahr nicht so schnell, die Welt ist so schön", habe er damals voller Lebensfreude gesagt. "Da hat sich dieser Satz für mich eingeprägt", erklärte die Autorin. Beide kamen zusammen, nachdem 1970 Rühmanns erste Frau Hertha Feiler gestorben war, sie heirateten vier Jahre später.

Breiten Raum nimmt auch Rühmanns Hobby, die Fliegerei, ein. "Ich war überhaupt nicht ängstlich, das hat mir von Anfang an Spaß gemacht", berichtete die Witwe. Als sie das erste Mal geflogen sei, "immer höher und höher, dachte ich mir, wann kommt denn jetzt die Angst und sie kam nicht", fügte sie hinzu.

"Angst hatte ich nicht, weil er ein so überlegter Flieger war." Das einzige was ihr Mann riskiert habe, seien hämische Blicke von Hobbykollegen gewesen, wenn er vor einer Gewitterfront umgedreht und wieder nach Hause geflogen sei. "Er war sehr traurig, als die Fluglizenz auslief."

Obwohl ihre Ehe mit dem 21 Jahre älteren Filmstar ein "Full-Time-Job" gewesen sei, sehe sie die Zeit als "schön und beglückend" an. Deshalb pflege sie ihre Erinnerungen, indem sie im gemeinsamen Haus wohnen geblieben sei. Für das Buch habe sie auch einige Fotos aus dem Familienalbum zur Verfügung gestellt.(APA)