Bagdad/Doha/London - Die mutmaßlichen Entführer von zwei indonesischen Frauen im Irak haben in einem Video die Freilassung des Islamistenführers Abu Bakar Bashir gefordert. Im Gegenzug bot die "Islamische Armee im Irak" in dem am Samstag vom arabischen Nachrichtensender Al Jazeera ausgestrahlten Video die Freilassung der Indonesierinnen an. Die radikalislamische Gruppe hatte am Donnerstag verkündet, zehn Menschen im Irak verschleppt zu haben, darunter zwei Frauen aus Indonesien.

"Solidarisch mit dem irakischen Volk"

Indonesien hatte zuvor die Entführungen bestätigt; der indonesische Botschafter in Katar hatte sich auch in einer Fernsehbotschaft an die Kidnapper der beiden verschleppten Indonesierinnen gewandt und gebeten, die zwei Frauen freizulassen. Indonesien als "größtes moslemisches Land" sei "solidarisch mit dem irakischen Volk" und sei "gegen die Besetzung des Irak durch die USA", sagte Abdel Wahed Maktub am Freitag im katarischen Fernsehsender Al Jazeera. "Im Namen der Regierung und des indonesischen Volkes" bitte er um die Freilassung.

Geistiger Führer der Islamistengruppe Jamaah Islamiyah

Bashir sitzt derzeit in der indonesischen Hauptstadt Jakarta in Haft. Er gilt als geistiger Führer der Islamistengruppe Jamaah Islamiyah (JI), die sich zuletzt zu dem Anschlag auf die australische Botschaft in Jakarta am 9. September mit neun Toten bekannte. JI kämpft für die Errichtung eines Gottesstaats in den moslemischen Ländern Südostasiens.

Video zeigt Enthauptung von irakischer Geisel

Eine Islamistengruppe hat am Samstag im Internet ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung eines Irakers zeigt. Der Mann habe zugegeben, für die US-Armee gearbeitet zu haben, heißt es in dem Video. Die Gruppe Ansar el Sunna hat Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida.

Tausende Flugblätter zur Freilassung Bigleys in Bagdad verteilt

Unterdessen haben auf rund 100.000 am Freitag in Bagdad verteilten Flugblättern die Angehörigen von Kenneth Bigley die Kidnapper erneut um die Freilassung des im Irak entführten Briten gebeten. Das Schreiben sei von den Familienmitgliedern unterzeichnet und enthalte Appelle von moslemischen Würdenträgern und Gruppen, die die Entführung verurteilten, teilte die britische Botschaft im Irak mit. "Wir rufen Kens Entführer auf, ihn uns gesund und wohlbehalten zu übergeben. Wir lieben ihn und wir brauchen ihn", schrieb die Familie demnach in dem Papier.

Kenneth Bigley war vor 16 Tagen im Irak verschleppt worden. Zwei mit ihm zusammen als Geiseln verschleppte Amerikaner wurden inzwischen von den mutmaßlichen Entführern, der Gruppe Al-Tawhid wa al-Jihad des Extremisten Abu Musab al-Zarqawi, enthauptet. (APA/Reuters)