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Die AK kritisiert, dass bei Beschwerden wegen eines verpatzten Urlaubs, es viele Reiseveranstalter immer häufiger auf eine Klage ankommen ließen.

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Kakerlaken im Hotelzimmer, Lärm aus der Clubdisco, kurzfristig abgesagte Flüge - bei Beschwerden wegen eines verpatzten Urlaubs hilft meist nur noch eine Klage. Immer mehr Reiseveranstalter und Fluglinien weigern sich, angemessene Entschädigung zu zahlen.


Wien - Baden und schnorcheln im Roten Meer - Familie K. wollte sich einen lang ersehnten Wunschtraum erfüllen. Doch die Vorfreude endete abrupt im gebuchten Urlaubsort: statt auf die beworbene Unterwasserwelt stießen die Feriengäste nur auf ein vorgelagertes Riff in einer Wassertiefe von dreißig Zentimetern. Derart gefrotzelt legten die Urlauber Beschwerde beim Reiseveranstalter ein und bekamen dort lediglich mickrige Gutscheine als Entschädigung angeboten.

Ablehnungen von Beschwerden

Geprellte Urlauber haben es immer öfter mit schleppenden Beschwerdeerledigungen, knausrigen Ersatzangeboten und ungerechtfertigten Ablehnungen von Beschwerden durch Reiseveranstalter und Fluglinien zu tun. Diese Ferienbilanz gab Sonntag die Arbeiterkammer (AK) bekannt.

Die Konsumentenschützer haben Reisen zu einem Schwerpunkt ihrer Klagstätigkeit gemacht. Mehr gerichtliche Auseinandersetzungen sollen die Reisebranche zu besserem Beschwerdemanagement anhalten.

Rückflug gestrichen

Die AK Wien beispielsweise hat zwölf Reiserechtsfälle eingeklagt, weitere acht stehen kurz davor. Häufig geht es um mangelhafte Erbringung der Leistung und eine angemessene Preisminderung. Auch immaterieller Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit sowie Überbuchungen sind Themen. Im Zunehmen seien auch Rechtsstreitigkeiten mit Airlines. Dabei geht es neben Überbuchungen vor allem um Änderungen von Flugzeiten und Absagen.

Im Fall von Herrn V. zum Beispiel hat eine deutsche Billigfluglinie kurzfristig den Rückflug gestrichen. Wegen mangelnder Auslastung, wie es hieß. Angeboten wurde nur der Ersatz des Ticketpreises, nicht jedoch die Kosten für den teuren Ersatzflug, den Herr V. buchen musste.

Zahlen nach Klage

Die AK kritisiert, dass es viele Reiseveranstalter auf eine Klage ankommen ließen. In Wien wurden in diesem Jahr drei Reiserechtsprozesse beendet. Nur einmal gab es ein inhaltliches Urteil. In den anderen beiden Fällen ließen sich die Reiseveranstalter auf keinen Rechtsstreit ein und zahlten nach Klagseinbringung. Die AK fordert eine sorgsamere Prospektgestaltung, rasche Informationsweitergabe bei Leistungsänderungen vor Reiseantritt, gleichwertige Ersatzangebote und eine rasche Beschwerdeerledigung.

In der so genannten Frankfurter Liste sind Rabatte für Reisemängel festgelegt: Für gröbere Zimmerschäden oder Kakerlaken in der Unterkunft ist ein Ersatz zwischen zehn und 50 Prozent der Kosten vorgesehen. Wem die dröhnende Clubdisco den Schlaf raubt, hat Anspruch auf bis zu 40 Prozent. Hat ein Flug mehr als vier Stunden Verspätung, sind fünf Prozent des anteiligen Preises für einen Urlaubstag üblich. (APA, simo, DER STANDARD Printausgabe 4.10.2004)