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Der Petersplatz von rechts, dann schnell von links - die Kameras fliegen dahin über die Köpfe der Gläubigen zu den Sängern, bei Kaiserwetter sozusagen. Zwischendurch immer wieder Johannes Paul II., der, so scheint es, nur unter Aufbringung aller Willenskraft, in seinem Stuhl die Festmesse leiten kann. Und der ORF live dabei. Am Sonntag knapp vor zehn Uhr begann die Übertragung der Seligsprechung von Österreichs letztem Kaiser, Karl I. - zweieinhalb Stunden lang, kürzer als geplant: Der Gesundheitszustand des Papstes ließ mehr nicht zu.

Ein Fest für eingefleischte Monarchisten und Traditionalisten? Es ist den Moderatoren Mathilde Schwabeneder und Pater Gottfried Wegleitner zu verdanken, dass daraus keine Retro-Kaiserfeier wurde. Sachlich und ruhig beschrieben sie das Ereignis. Die vor allem in Österreich heftige Kritik an der Seligsprechung wurde nicht ausgespart. Auch auf die offensichtlichen gesundheitlichen Probleme des Papstes ging Schwabeneder ein: Dann etwa, als er angestrengt seine Worte rauspressen musste, und danach über jede gelungene Passage erleichtert wirkte.

Die Rollenverteilung war klar: Hier die ORF-Redakteurin, die das Geschehen beschreibt, da der Pater, der versucht, dem Zuseher die Sinnhaftigkeit des Gebotenen näher zu bringen. Was schwer genug war, wenn beispielsweise ein Stück Rippe als Reliquie Kaiser Karls dargebracht wurde.

Kein Sonntag für Nostalgiker. Die können sich dafür mehr über eine Neuerscheinung am Musikmarkt erfreuen: Die kaiserliche Kirchenmusik gibt's ab jetzt auf CD. (pm/DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2004)