Graz - Der "steirische herbst" bringt heuer ein umfangreiches Literaturprogramm in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern: "Kälte" nennt sich jene Schiene, die in Kooperation mit dem Literaturhaus stattfindet und unter anderem eine Ausstellung von Konrad Bayer zeigt. Mit Autorinnen aus Südosteuropa setzt sich das Programm "Frauen schreiben" auseinander, das im Kulturzentrum Minoriten abgehalten wird. Eine "Beschallung" im Immorent-Park widmet sich dem Thema "Parole! Literatur gegen die Krise".

Bedeutungszusammenhänge

Im Literaturhaus sollen Lesungen und Gesprächen sowie die Ausstellung zu Konrad Bayers "der kopf des vitus" die existenzielle und ästhetische Brisanz des Themas "Kälte" aufzeigen. Der Text Bayers, dessen Todestag sich am 10. 10. 2004 zum vierzigsten Mal jährt, gilt als Schlüsselwerk der österreichischen und internationalen Nachkriegsavantgarde. Die Ausstellung zeigt Originaltyposkripte und Handschriften Konrad Bayers, welche die Entstehungsgeschichte des Textes dokumentieren, sowie vom Autor verwendete Quellen zu arktischen Entdeckungsreisen, zum historischen Vitus Bering und zum Bedeutungszusammenhang des Schamanismus.

Das Kulturzentrum bei den Minoriten setzt sich mit Positionen schreibender Frauen in Südosteuropa auseinander. Dabei geht es um die Fragen, welche Strategien die Autorinnen wählen, welche sie möglicherweise auslassen und um Parallelen über die Grenzen hinweg. Das Wissen in Mitteleuropa um literarische Prozesse und Entwicklungen auf dem Balkan sei trotz der räumlichen Nähe erstaunlich gering, so die Veranstalter. Den Auftakt der Reihe bilden zwei Abende, an denen das Sagenkönnen und seine Strategien diskursiv und literarisch bedacht werden.

Performances

"Parole! Literatur in der Krise" ist ein Projekt, das sich öffentlichen "Beschallungen" widmet. Dazu sollen im Grazer Stadtraum während des "steirischen herbstes" Texte ausgestrahlt werden, die "intervenieren, aufrütteln und neue Motivation geben". Polizei, Feuerwehr, Tierschutz, Zirkus Roncalli oder politische Parteien, sie alle "versprechen Rettung vor akuter Kriminalität, hohen Bäumen, konsequenter Langeweile oder ungehemmtem Kapitalismus."

Eine Literaturperformance mit dem Titel "Ökonomie - Schwarzer Freitag" wurde von Martin G. Wanko konzipiert. Literatur, Musik und Gespräche setzten sich mit dem Phänomen des "Schwarzen Freitags" auseinander. Ob als Endpunkt, Chance zum Neuanfang oder absolute Krise - die verschiedenen Aspekte sollen in dem Projekt, das im Forum Stadtpark stattfindet, beleuchtet werden.

Die "mürz werkstatt 04" in Mürzzuschlag steuert die "muerzer verlagstage - Urs Engeler Editor" bei, und in Bruck an der Mur findet "Lesekunst 9" statt. Dort liest der Schauspieler Sebastian Reiss aus dem Talmud. (APA)