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Junis Kanuni ist der einzige ernste Gegner von Präsident Hamid Karzai. Er war war einst engster Berater des vor drei Jahren ermordeten Volkshelden Volkshelden Ahmed Schah Massud.

Foto: EPA/SYED JAN SABAWOON
Kabul - Der Mann mit den dunklen Augen und dem akkurat gestutzten Vollbart ist im Ausland bei weitem nicht so bekannt wie Amtsinhaber Hamid Karzai. In Afghanistan aber genießt Junis Kanuni großes Ansehen. Der 47-jährige war einst engster Berater des vor drei Jahren ermordeten Volkshelden Volkshelden Ahmed Schah Massud. Mit ihm zog er in den Kampf gegen die Taliban-Herrscher. Karzai verbrachte derweil die meiste Zeit im pakistanischen Exil.

"Wir wurden von ausländischen Persönlichkeiten ignoriert, die sich als rechtmäßige Besitzer unseres Landes ausgeben", sagte Kanuni in einer Ansprache mit einem Seitenhieb auf Karzai, der als Kandidat von Washingtons Gnaden gilt. Bei der ersten direkten Präsidentenwahl am 9. Oktober will Kanuni sich die Macht im Land holen - und gilt dabei als ernsthaftester Kontrahent Karzais unter den 18 Kandidaten.

Karzai schlug Kanuni vor kurzem vor, seine Kandidatur niederzulegen und stattdessen ihn zu unterstützen. Kanuni aber machte klar, dass er gar nicht daran denkt. Er warf der Regierung Schwächen beim Kampf gegen die Korruption vor und forderte Karzai zum Rücktritt auf. Auch für einen hohen Ministerposten in Karzais Regierung wolle er sich nicht von seinem Ziel abbringen lassen, betonte er.

In Karzais Regierung saß Kanuni, der meist im feinen Anzug und eleganter Brille die öffentliche Bühne betritt, ohnehin schon. Der studierte Theologe war Bildungsminister und erwarb sich großes Ansehen für seine Verdienste beim Wiederaufbau des afghanischen Schulwesens, das in den Kriegen der 80er und 90er Jahre zerstört wurde. Wegen seiner Kandidatur für das Präsidentenamt legte er seinen Posten nieder. Aber schon bei seiner Ernennung zum Minister vor zwei Jahren war es zu Reibereien mit Karzai gekommen. Kanuni war erzürnt, weil ihn der Präsident für das Bildungsressort bestimmt hatte, ohne ihn zu fragen. Nach anfänglicher Weigerung nahm er den Posten schließlich an.

Am Kabinettstisch saßen zusammen mit Kanuni auch Abdullah Abdullah und Kazim Fahim als Außen- und Verteidigungsminister. Die beiden einflussreichen tadschikischen Politiker kämpften einst Seite an Seite mit Kanuni gegen die Taliban. Der hievte die beiden auf der Bonner Afghanistan-Konferenz 2001 als Anführer der Delegation der Nordallianz in die Kabuler Regierung. Doch nicht nur unter den Tadschiken hat Kanuni loyale Mitstreiter. Er hat auch einen Draht zur Volksgruppe der Paschtunen. Seine Frau Sarghona, eine ehemalige Lehrerin, gehört der im Süden des Landes dominierenden Volksgruppe an. Kanuni selbst spricht auch Paschtu.

So stellt sich Kanuni auch im seit Anfang September laufenden offiziellen Wahlkampf als Kandidat dar, der unabhängig von ausländischem Einfluss für das Wohl des Landes kämpfen will. Karzai dagegen porträtiert er als Marionette der US-Regierung. Vor allem im Pandschir-Tal, wo auch Massud einst seine Hausmacht hatte, verfügt Kanuni weiter über großen Rückhalt. "Die wichtigsten Führer Afghanistans sind mit uns", sagte er vor kurzem. (APA)