Wien - Welche Entscheidung der Telekom-Aufsichtsrat am Dienstag auch fällt, der Nachfolger von Generaldirektor Heinz Sundt erbt ein heikles Problem: den Streit mit dem Finanzministerium um zu viel bezahlte Dienstgeberanteile für die mittlerweile auf rund 7000 geschrumpfte Zahl von Telekom-Beamten.

Es geht dabei um 250 Millionen Euro, die die TA bis 2002 zu viel gezahlt haben will. Finanzvorstand Stefano Colombo hat den entsprechenden Titel in der Bilanz zwar bereits auf Null gestellt, gemäß Aktienrecht ist der TA-Vorstand aber verpflichtet, das Geld einzutreiben.

Forderung noch nicht geltend gemacht

Ganz sicher, dass der TA das Geld auch tatsächlich zusteht, ist man sich beim teilstaatlichen Konzern allerdings nicht. Noch prüfen Rechtsanwälte, wie groß die Chancen sind. Bei Gericht wurde die Forderung jedenfalls noch nicht geltend gemacht. Im Finanzministerium ist man überhaupt der Ansicht, dass der TA kein Schaden entstanden ist, und führt dafür zwei Gründe ins Treffen: Erstens sei die TA bei der Übernahme der Beamten 1998 teilentschuldet worden (ein Teil der zwecks Digitalisierung des Telefonnetzes angehäuften Schulden wurde bei der Ausgliederung der TA mit der PTBG an die ÖIAG übertragen). Zweitens trage der Bund ohnehin einen erheblichen Anteil der Kosten des Beamtenabbaus, denn die TA-Beamten wurden - großteils auf Kosten des Steuerzahlers - in Vorruhestand versetzt.

Sundt hat durchaus Chancen

Die Chancen, dass Heinz Sundt sein eigener Nachfolger wird, werden in TA-Kreisen als nicht zu vernachlässigend eingestuft. Denn nicht nur die vier Arbeitnehmer im Aufsichtsrat wollen für seine Vertragsverlängerung votieren, sondern auch zahlreiche Kapitalvertreter. Dass diese von der "ÖIAG-Fraktion" rund um TA-Präsident Peter Michaelis "niedergestimmt" werden, gilt als unwahrscheinlich. "Viel mehr als ein Suchauftrag für einen Personalberater wird nicht herauskommen", sagt ein Kapitalvertreter zum STANDARD. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2004)