Die Situation in der 94. Minute: Stuart Elliott trifft zum 3:3. Manninger fliegt mit voller Wucht auf die Schulter.

Wien - Österreichs Fußball-Teamspieler Markus Schopp unterzieht sich nach seinem im WM-Qualifikationsspiel in Nordirland erlittenen Mittelhandknochenbruch einer Operation. Der Brescia-Legionär, der beim 3:3-Remis am Mittwoch in Belfast als Kapitän zwei ÖFB-Treffer erzielt hatte, wird in zwei Wochen wieder mit dem Training beginnen können.

Die emotionsgeladene und dramatische Partie im ausverkauften Windsor Park hatte beim Gefühlsmenschen Krankl Spuren hinterlassen. "The Battle of Belfast" lief auch am Tag danach wie ein Spielfilm in seinem Kopf ab: "Ich bin sehr enttäuscht über dieses Unentschieden und wie es zu Stande gekommen ist. In der 94. Minute darf man kein Tor mehr bekommen, aber ein Sieg für Österreich wurde durch verschiedene Gründe vereitelt. Der liebe Gott und der Schiedsrichter - in diesem Fall war der liebe Gott der Schiedsrichter - haben es mit uns nicht gut gemeint."

Kühbauer: "Nächstes Mal Boxhandschuhe"

Der australischen Referee Mark Shield stand nach Spielende im Kreuzfeuer der Kritik. "Das nächste Mal brauchen wir Boxhandschuhe. Das war Rugby und nicht Fußball. Ich bin froh, dass ich keinen Jochbein- oder Stirnhöhlenbruch habe", war Didi Kühbauer fassungslos über die Regelauslegung des Mannes aus Ozeanien.

Krankl will keinen Australier

Kapitän Schopp, der trotz großer Schmerzen bis kurz vor Schluss durchhielt, war "das erste Mal wirklich ratlos. Der Schiri hat eine Tätlichkeit von Murdock ganz genau gesehen und trotz des Tritts nichts gemacht." Zudem hatte Ivica Vastic in der ersten Hälfte bei einem schlimmen Foul von Doherty noch Riesenglück, der Schiedsrichter zückte aber nur Gelb und gab damit den Hausherren quasi freies Geleit. "Es kann nicht sein, dass ein Australier in Europa WM-Qualifikation pfeift. Was ich sage, ist für die FIFA nicht wichtig, aber so etwas geht nicht", hatte sich Hans Krankl über den Referee erzürnt.

Strittige Szenen vor Gegentoren

Am Tag danach blieb Krankl bei seiner Einschätzung: "Beim zweiten Tor gab es einen Bodycheck gegen Markus Schopp, so etwas muss man sehen. Das dritte Gegentor ist gefallen, weil Ferdinand Feldhofer vom Schiedsrichter nicht wieder auf das Spielfeld gelassen wurde. Aber es ist ein Unterschied, ob man am Kopf blutet oder am Knie. Vorher hat er alles durchgehen lassen und dann das. Dadurch hat die Zuordnung nicht gestimmt."

Verteidigung mangelhaft

"Es ist bewundernswert, was wir alles weggesteckt haben. Wir müssen uns nur vorwerfen, dass wir am Ende bei den Konterchancen nicht das vierte Tor gemacht haben. Aber ich glaube an diese Mannschaft. Unsere zweite Garnitur und das ist nicht negativ, sondern positiv gemeint, hat sich sehr gut geschlagen. Sechs Gegentore in zwei Spielen sind jedoch zu viel, aber der Ausfall von Martin Stranzl kurz vor dem Spiel hat uns sehr wehgetan."

Chance auf WM-Quali quasi dahin

Im März 2005 in Cardiff entscheidet sich für Hans Krankl und das ÖFB-Team die weitere Zukunft: "Die Stärke der Polen muss man akzeptieren, aber nächstes Jahr kann es anders ausschauen. Wenn wir in Cardiff gewinnen, dann kommen wir noch mal ran - sonst ist es vorbei. Dann wird es aber schwierig, weil der Weg bis 2008 dann kompliziert wird. Wenn wir vorzeitig keine Qualifikations-Chance mehr haben, dann ist das bitter. Ich muss dann schauen, wer für die EM noch ein Thema ist und meine Planung ändern."(APA)