Die Vereinten Nationen werden ab Donnerstag erneut über ein internationales Verbot menschlichen Klonens diskutieren. Die UNO stand bereits vor einem Jahr vor der Frage: Sollen alle Formen des Klonens geächtet werden, oder soll zumindest das Herstellen geklonter Embryonen zu Forschungs- und Therapiezwecken möglich sein? In letzterem Fall wäre allein das reproduktive Klonen zu Fortpflanzungszwecken untersagt. Mit 80 gegen 79 Stimmen wurde die Entscheidung auf diese Woche vertagt.

Eine Gruppe, angeführt von Costa Rica und unterstützt von nahezu 60 Nationen - unter ihnen Österreich und die USA -, verlangt ein Totalverbot für jedes Klonen. Die andere Gruppe von mehr als 20 Staaten, an ihrer Spitze Belgien, will nur das Klonen zur Erschaffung von Babys verboten wissen, nicht jedoch das therapeutische: Dabei wird einer Eizelle der Kern entnommen und durch die DNA eines Menschen ersetzt. Hat sich diese Eizelle im Labor mehrmals geteilt, wird der entstandene Embryo zerlegt, um embryonale Stammzellen zu gewinnen (siehe Wissenskasten).

Die Zusammensetzung der opponierenden Staaten hat sich seit dem Vorjahr kaum verändert. Nur Spanien ist nach Ablöse der konservativen Regierung durch Sozialdemokraten im März von der Totalverbotsgruppe zu den Befürwortern des therapeutischen Klonens übergelaufen.

Die UN-Entscheidung fällt mitten in den US-Wahlkampf: Präsident George W. Bush tritt für ein Totalverbot ein, Herausforderer John Kerry unterstützt therapeutisches Klonen. Laut Wissenschaftsmagazin Nature haben die USA ihr Lobbying für ein Totalverbot massiv verstärkt, weil ein solches Bush zu Hilfe käme.

68 Wissenschaftsakademien (darunter die französische, britische, russische, japanische und pikanterweise auch die US-amerikanische) haben die UNO bereits aufgefordert, therapeutisches Klonen nicht zu verbieten. Eine gleich lautende Petition erhielt die UNO nun von weiteren 125 wissenschaftlichen Instituten und Patientenorganisationen aus aller Welt. (fei/DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2004)