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Mehr als die Hälfte der Studierenden am Salzburger Mozarteum sind Ausländer. Die ÖH fürchtet, dass aufgrund der für viele unfinanzierbaren Gebühren zehn Prozent nun aufgeben müssen.

Foto: Archiv
Salzburg – "Das ist eine Einladung nach Hause zu fahren." Die Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) an der Uni Salzburg, Lina Spielbauer, befürchtet, dass viele ihrer ausländischen Kollegen aufgrund der neuen Studienbeitragsverordnung ihr Studium nicht fortsetzen können. Alle Studenten aus Nicht-EU-Staaten müssen seit diesem Semester die doppelten Studiengebühren berappen. Ausgenommen sind nur Studenten aus den ärmsten Staaten wie etwa Afghanistan oder Ruanda.

Rund 700 Euro pro Semester seien für die meisten nicht leistbar, glaubt auch Hatice Seyhan. Die Türkin ist Sprecherin einer Studentengruppe, die am Mittwoch gemeinsam mit der ÖH Salzburgs Vizerektor Rudolf Mosler symbolisch eine Petition an VP- Bildungsministerin Elisabeth Gehrer übergab, in der die Aufhebung der Verordnung gefordert wird. Allein in Salzburg bangen laut Seyhan 130 Studenten aus der Türkei um ihre Zukunft an der Uni. Viele könnten sich die Studiengebühren nicht leisten, da sie in Österreich keine legale Möglichkeit zu arbeiten hätten.

Die Uni Salzburg selbst unterstützt den Protest. Die neue Regelung sei äußerst "unfair", meint Mosler. Man habe zwar alles "so weit wie möglich ausgereizt" und beispielsweise "Studierenden aus den Reformländern Zentral- und Südeuropas" die Gebühren erlassen, im Falle der Türkei seien der Uni aber rechtlich die Hände gebunden. "Die Beitragsverordnung muss geändert werden", sagt Mosler.

Noch dramatischer ist die Situation an der Kunsthochschule Mozarteum. Hier sind über 50 Prozent der Studierenden Ausländer. Die Mozarteum-ÖH befürchtet, dass aufgrund der für viele unfinanzierbaren Gebühren zehn Prozent das Studium abbrechen müssen. Betroffen seien vor allem Studenten aus Bulgarien, Serbien oder der Türkei. Derzeit zählt das Mozarteum rund 1500 Hörer. Auch von Lehrenden an der Kunstuni mit Weltruf wird die neu Regelung kritisch gesehen: Man werde "die falsche Kundschaft" bekommen, nämlich die Reichen und nicht die Begabten, heißt es. Von der Mozarteumsleitung wird sogar ein Spendenaufruf an die Salzburger Bevölkerung überlegt. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2004)