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Aus dem Opel-Werk in Bochum werden seit Mittwoch wieder Produkte - im Bild ein Transporter mit neuen Astra Caravans darauf - ausgeliefert.

Foto: AP/Sohn
Bochum/Berlin - Das Votum war eindeutig: Von den 6463 abstimmenden Mitarbeitern sprachen sich am Mittwoch 4647 für einen Stopp der Arbeitsniederlegungen im Werk Bochum aus. Seit Donnerstag vergangener Woche hatten die Beschäftigten wegen der Stellenstreichungspläne des Mutterkonzerns General Motors die Arbeit niedergelegt.

Die Frage lautete: "Soll der Betriebsrat die Verhandlung mit der Geschäftsführung weiterführen und die Arbeit wieder aufgenommen werden?" Man konnte mit Ja oder Nein stimmen.

Harsche Auseinandersetzungen

Bei der Versammlung in einer Bochumer Kongresshalle, bei der die Medien nicht anwesend sein durften, ist es nach Schilderungen von Beobachtern zu harschen Auseinandersetzungen zwischen Beschäftigten und Betriebsräten gekommen. Die Betriebsräte hatten ein Ende des "wilden Streiks" empfohlen. Ein Teil der Mitarbeiter sah sich nicht gut vertreten.

Nach dem Ende der Arbeitsniederlegungen verlautete die Unternehmensleitung: "Wir möchten allen für die heute erreichte Entscheidung danken und sehen der weiteren Arbeit mit den Betriebsräten und der Bochumer Belegschaft nun mit Zuversicht entgegen."

Der Streik bei Opel hatte von den Teilen aus Bochum abhängige Werke in ganz Europa in Bedrängnis gebracht. Nachdem Rüsselsheim und Antwerpen bereits die Produktion einstellen mussten, hätten bei einem Fortgang des Ausstands auch das Vauxhall-Werk bei Liverpool und Opel in Kaiserslautern am Mittwochnachmittag die Pforten schließen müssen.

Rüsselsheim kann möglicherweise erst am Montag wieder die Produktion aufnehmen. Dort sollen nun weitere Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung stattfinden.

Die Opel-Mitarbeiter in Bochum haben seit der Bekanntgabe der drastischen Sparpläne des US-Mutterkonzerns General Motors am vergangenen Donnerstag nicht mehr gearbeitet. Der Konzern will 12.000 Stellen in Europa streichen. Allein in Bochum und Rüsselsheim sollen jeweils 4000 Arbeitsplätze wegfallen.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement bemüht sich angeblich sogar bei der Konzernführung in Detroit um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Er deutete an, dass der Staat bei der Modernisierung der Infrastruktur in Bochum helfen könnte.

Warnstreiks drohen

Die Gewerkschaft IG Metall drohte vor der heute, Donnerstag, beginnenden nächsten Tarifrunde bei VW mit Warnstreiks, falls keine Annäherung über die von der Gewerkschaft geforderte Jobgarantie erreicht wird. Die Gewerkschaft will im Gegenzug für Nullrunden bei den Löhnen durchsetzen.

Auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will mit den Mitarbeitern über Einsparungen verhandeln. Aber ein Stellenabbau sei nicht geplant, teilte der hoch profitable Autobauer mit.

GM baut indessen auch in den USA Jobs ab: In einem Detroiter Pontiac- und Chevrolet-Werk wackeln ab 2005 rund 900 von 3500 Stellen - nicht alle würden aber gekündigt werden, heißt es. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD Printausgabe, 21.10.2004)