Ein Jugendlicher, der seinem gestürzten Freund hilft. Ein anderer, der eine alte Dame so fürsorglich über die Straße trägt, dass sie ihn schmachtend dazu anhält, sie zu retournieren. Und ein Slogan: "Es steckt in jedem von uns." - Wer diesen Sommer einmal im Kino war, wird wissen: Es geht um den "Job des Lebens".

Die Imagekampagne für Pflegeberufe wurde vom Arbeits- und vom Gesundheitsministerium gemeinsam mit dem ORF und den fünf Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe gestartet, und das mit Erfolg: "Das gesteigerte Interesse ist sehr erfreulich", so Erwin Berger, Pressesprecher der Volkshilfe. Waltraut Kovacic von der Diakonie erzählt von täglichen Briefen und E-Mails "von Leuten, die Pflegehelfer werden wollen." Leider müsse man diese weiterleiten: "Diese Ausbildung bieten wir nicht an."

Einig ist sie sich mit Berger über die Schwachpunkte der Kampagne: "Der Startzeitpunkt Juni war denkbar ungünstig, da im Mai bereits die Aufnahmen an den Schulen sind." Berger bestätigt: "Viele Institutionen hatten ab Juli Ferien, die Leute konnten sich nicht informieren."

Mangel an Fachkräften

"Als Fachkräfte gelten Pflegehelfer und der gehobene Dienst für Gesunden- und Krankenpflege - also die Diplomierten." Und davon gebe es eindeutig zu wenige, erklärt die stellvertretende Vorsitzende der ÖGB-Fachgruppenvereinigung der Gesundheitsberufe (FGV), Gerda Mostbauer: "Im Jahr 2002 fehlten österreichweit 4876 Pflegekräfte, davon 1357 Diplomierte." Die derzeitige Situation, in der man die Ausbildung mit 17 Jahren beginnen könne, produziere eine Lücke zwischen Pflicht- und Krankenpflegeschule: "Die Leute gehen uns verloren, weil sie eine andere Ausbildung beginnen und dann dort bleiben." Eine Expertenrunde des FGV verlangt deshalb unter anderem die "Matura bzw. ein Matura- äquivalent als Zugangsvoraussetzung" sowie die "Anbindung der Pflegeausbildung an das Regelschulwesen".

Fehlende Aufstiegsmöglichkeiten diplomierter Krankenpfleger sieht Elisabeth Seidl, Professorin für Pflegewissenschaft an der Universität Wien, als Hindernis für viele potenziell Interessierte: "Das Diplom ist eine Sackgasse." Deshalb biete das Studium der Pflegewissenschaft - derzeit noch ein Studium irregulare, das 2005 zum Vollstudium werden soll - "eine qualifizierte Weiterbildung" mit vielen Möglichkeiten. Diese können allerdings nur von denjenigen "voll genutzt werden, die die Pflegeausbildung schon haben". Das Studium allein biete "keine Pflegeberechtigung" und ist somit nicht, wie oftmals befürchtet, als Konkurrenzausbildung und Abwertung des Diploms zu sehen, sondern als Ergänzung und als Etablierung eines neuen Berufsbilds.

Diese Meinung vertritt auch Christine Foussek von der Studienkommission des Grazer Pflegewissenschafts-Studiums, das sich im ersten Semester befindet: "Das Diplom wird nicht abgewertet."

Neue Modelle finden

"Derzeit haben wir 56.000 diplomierte Pflegekräfte in Österreich", fährt Foussek fort, "dagegen stehen gerade mal 170, die jetzt das Studium in Graz begonnen haben." Das Ziel sei eben, "neue Berufsfelder und -modelle zu finden, die vom jetzigen Gesundheitswesen noch nicht abgedeckt werden." Sie sei froh, "dass wir endlich den Schritt geschafft haben, EU-weit vergleichbar zu werden" - immerhin sei Österreich anderen Ländern wie Ungarn, Slowenien und Rumänien schon lange nachgehinkt. (DER STANDARD, Printausgabe vom 23./24.10.2004)