Wien - Die Feinstaubhochsaison hat gerade begonnen: Zwischen Oktober und März sind erfahrungsgemäß die höchsten Belastungen zu erwarten. "Und von der Feinstaubproblematik ist der ganze Wiener Stadtraum betroffen", bilanziert Peter Riess von der Umweltschutzabteilung MA 22 im STANDARD-Gespräch. Denn sowohl im städtischen Kerngebiet als im Grünen werden die von der EU vorgeschriebenen Gesundheitsgrenzwerte zu oft überschritten.

Grundsätzlich darf der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an 35 Tagen im Jahr übertroffen werden. Doch die Werte lagen an der Messstelle Rinnböckstraße im Jahr 2003 gleich an 95 Tagen deutlich darüber. Und sogar in den Messstationen im Grünraum gab es Überschreitungen an 40 Tagen. "2003 war allerdings ein Jahr mit besonders starker Belastung", betont Riess. "Aber die Ergebnisse lagen auch nicht so weit über dem Schnitt, dass man von einem Jahrhundertereignis sprechen müsste. Solche Ergebnisse sind vermutlich alle fünf, sechs Jahre zu erwarten."

Autos, Wetter, Chemie

Über die genauen Verursacher von Feinstäuben gebe es noch viel zu erforschen, sagt Riess. Klar sei, dass ein Gutteil auf den Straßenverkehr zurückzuführen sei. Feinstäube können sich aber ebenso - ähnlich wie das bodennahe Ozon - durch chemische Prozesse aus Gasen bilden. Auch die im Winter häufigeren Inversionswetterlagen erhöhten die Belastung.

Doch sei es nun der Straßenabrieb oder der Abrieb durch Bremsscheiben: "Die oft zitierten Rußpartikel sind dabei nicht die große Menge. Sie sind wegen ihrer Inhaltsstoffe aber sicher ein Problem", betont Riess.

"Was wir wissen und was wir neu lernen ist noch ein sehr dynamisches Feld", sagt der Experte des Magistrats. Deshalb sei es auch nicht so leicht festzulegen, wann der Endausbau an Messstellen erreicht sei. Derzeit sind es neun, an denen die "Feinstaubkomponente PM10" ermittelt wird. Das heißt, dass Feinstäube gemessen werden, die kleiner als ein Hundertstel Millimeter sind.

Wobei die EU gemeinsam mit der WHO auch noch am Adaptieren der Vorschriften ist. Derzeit laufe die Tendenz eher in Richtung noch kleinerer Fraktionen. (Roman David-Freihsl. DER STANDARD Printausgabe 27.10.2004)