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Noch herrscht Hochkonjunktur - das könnte aber laut IV bald wieder vorbei sein.

Foto: REUTERS/JAYANTA SHAW
Wien - Kaum ist der Konjunkturmotor so richtig ins Brummen gekommen, stirbt er auch schon wieder ab. So könnte man das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) zusammenfassen, das am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.

Der kurz vor seiner Pensionierung stehende IV-Chefökonom, Erhard Fürst, interpretierte die Umfrageergebnisse unter 368 Unternehmen mit 236.000 Mitarbeitern so: "Der Höhepunkt der Industriekonjunktur ist überschritten, die Hoffnungen auf eine weitere Beschleunigung verflüchtigen sich."

Hochkonjunktur, aber ...

Die Indizien dafür: Laut den vierteljährlich erfragten Komponenten für das IV-Konjunkturbarometer hätten sich "alle zukunftsorientierten Indikatoren gegenüber dem Vorquartal verschlechtert". Gegenwärtig sind die Industriellen sowohl mit der Geschäftslage als auch mit dem Auftragsbestand sehr zufrieden, "wir haben Hochkonjunktur", so Fürst.

Das Problem ist der Pessimismus für die nächsten drei bis sechs Monate: Die Industrie geht davon aus, dass sich Geschäfts-, Ertrags- und Beschäftigungslage verschlechtern werden.

Konkret: Im Juni hatten noch 17 Prozent der Befragten die Geschäftslage für günstig, 78 Prozent für gleich bleibend und nur vier Prozent für ungünstig gehalten. Der von der IV daraus errechnete "Saldowert" lag damit bei 13 Punkten. Der ist nun auf sieben Punkte gefallen: Im Herbst stieg der Anteil der Pessimisten ("ungünstig") auf neun Prozent.

Erträge schrumpfen

Ähnlich düster schauen die Erwartungen der österreichischen Industriellen für die Ertragslage aus: Der Saldowert wird sich von derzeit glänzenden 20 Punkten auf minus zwei drehen. Nur zwölf Prozent der befragten Unternehmer glauben, dass sich die Ertragslage im nächsten halben Jahr verbessern wird, 74 Prozent glauben an keine Veränderung, 14 Prozent aber fürchten eine Verschlechterung.

Abschwächungen zeichnen sich auch bei der Produktionstätigkeit und Kapazitätsauslastung ab. Dabei sind die Probleme hausgemacht: Mit den Auslandsaufträgen sind die Unternehmer zufrieden, Kummer bereiten ihnen dagegen die Inlandsaufträge.

Dunkle Schatten auf dem Arbeitsmarkt

Auf den Arbeitsmarkt wirft all das dunkle Schatten. Denn die Zahl jener Unternehmen, die einen steigenden Beschäftigungsstand melden, sinkt. Die Zahl jener, die Mitarbeiterreduktionen vorhaben, steigt. Die Folgerung des Ökonomen Fürst: "Die Beschäftigungszuwächse der vergangenen Monate werden bald wieder enden."

Nach der Auftragslage in den diversen Branchen betrachtet läuft es zur Zeit in der Metall- und Eisenindustrie, Lederverarbeitung und in der Bauindustrie am besten. Die Sorgenkinder der Industrie sind die Branchen Textil, Papier, Stein und Keramik.

Die Folgerungen des neuen IV-Generalsekretärs, Markus Beyrer: "Die ohnehin nicht euphorischen Wachstumsprognosen 2005 für Deutschland werden nach und nach zurückgenommen. In dieser Situation ist kluge Wirtschaftspolitik in der EU und in Österreich notwendig, um weiter positive Signale zu setzen."

Forderung an die Regierung

Was der Industriellen-Funktionär damit für Österreich meint: "Die Energiekosten müssen unter Kontrolle gehalten werden" und die Regierung müsse auch im neuen Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung die Voraussetzungen schaffen, "Infrastrukturprojekte zu beschleunigen".

Kritik übte Beyrer am Bericht Wim Koks zum Fortschritt bei der Erreichung der Lissabon-Ziele bis 2010. Beyrer: "Der Bericht ist eine schwere Enttäuschung. Er gibt keine Antworten darauf, mit welchen Mitteln man Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum beschleunigen kann." (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 28.10.2004)