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Foto: Archiv
Die europäisch-amerikanische Doppelsonde "Cassini-Huygens" hat die bisher schärfsten und spektakulärsten Bilder vom Saturnmond Titan zur Erde geschickt. Die Sonde war wie geplant im Tiefflug am Dienstag über den zweitgrößten Mond des Sonnensystems geglitten. Im NASA-Kontrollzentrum in Pasadena (Kalifornien) trafen noch am späten Dienstagabend (Ortszeit) die ersten aus einer Höhe von 1.200 Kilometern aufgenommenen Fotos von Titan ein.

Wissenschafter im Freudentaumel

Wissenschafter bejubelten die Bilder, auf denen unter anderem eine Landmasse in der Größe eines Kontinents zu sehen ist. Sie erhielt auch gleich einen Namen: Xanadu tauften die Experten den auf den Fotos in strahlendem Weiß erscheinenden Flecken. "Das ist absolut spektakulär, das ist einfach cool", freute sich die Leiterin des "Cassini"-Fototeams, Carolyn Porco.

Die Doppelsonde hatte im Sommer nach siebenjähriger Flugzeit den Saturn erreicht und kreist seitdem im Orbit des "Herrn der Ringe". Insgesamt hat sie bereits rund 3,5 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Titan ist mit einem Durchmesser von mehr als 5.000 Kilometern der größte der bislang 31 bekannten Monde des Saturn. Wenn alles weiter planmäßig verläuft, wird "Cassini" noch in diesem Jahr die europäische Tochtersonde "Huygens" freisetzen, die dann im Jänner auf dem in Wolken gehüllten Titan landen soll - dem einzigen bekannten Mond mit einer Atmosphäre.

Methan und Ethan

Die Wissenschafter erhoffen sich von der Mission unter anderem Aufschluss darüber, ob sich unter Titans Kohlenwasserstoff-Wolken Ozeane oder Seen aus Methan oder Ethan verbergen. Außerdem wollen sie nach Anzeichen für Vulkane und Niederschläge aus den Wolken suchen. Wenn es einen "Regen" gäbe, bestünde er nicht aus Wasser, sondern wohl eher aus einer benzinähnlichen Substanz.

Titan ist für die Astronomie seit langem ein "begehrtes Objekt": Vermutungen gehen dahin, dass der Saturn-Mond heute so aussehen könnte wie die Erde vor Milliarden Jahren, bevor sich Leben entwickelte. Titan selbst gilt allerdings als bei weitem zu kalt, um die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Leben zu bieten.

Vierjährige Expedition

"Cassinis" Vorbeiflug war einer von insgesamt 45, die im Zuge der vierjährigen Saturnexpedition der Sonde geplant sind. Einige werden die Sonde sogar noch näher an der Oberfläche führen als am Dienstag. Die jetzt zum Jet Propulsion Laboratory der NASA (JPL) in Pasadena gefunkten Fotos werfen allerdings zurzeit noch mehr Fragen auf als sie beantworteten. So herrschte Rätselraten darüber, ob der "Kontinent" Xanadu von Eis bedeckt ist, und ob ein in der Nähe dieses weißen Fleckens gesichtete merkwürdige dunkle Fläche mit weißen Punkten ein Flüssigkeit ist.

Die mit hochmodernen europäischen Instrumenten beladene Tochtersonde "Huygens" soll sich Mitte Jänner in die Gashülle des Saturn-Trabanten stürzen und eine Landung versuchen. Insgesamt kostet das Saturn-Projekt, an dem sich die USA und 17 europäische Länder beteiligen, fast drei Milliarden Euro. "Diese Mission wäre ohne unsere internationalen Kollegen nicht möglich", sagte JPL-Direktor Charles Elachi.(APA/dpa)