New York - Mit heftigen Zickzack-Bewegungen hat der Ölpreis am Mittwoch auf die Nachricht reagiert, dass angesichts des herannahenden Winters die Ölvorräte in den USA zum sechsten Mal in Folge zurückgegangen sind.

Nach Bekanntgabe der Daten schnellte an der New Yorker Rohstoffbörse der Preis für Dezember-Kontrakte vorübergehend um 43 Cent nach oben und schien mit 55,60 Dollar je Barrel (159 Liter) schon auf dem Weg zu einem neuen Allzeithoch.

Doch kurze Zeit später sackte der Preis dann um zwei Dollar nach unten. Branchenexperten vermuteten Gewinnmitnahmen hinter den heftigen Preisausschlägen.

OPEC: USA soll Reserven frei geben

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) forderte unterdessen die US-Regierung auf, mehr Öl aus ihrer so genannten strategischen Reserve in Umlauf zu bringen, um die Preise abzukühlen. Die USA haben knapp 300 Mio. Barrel Rohöl als Reserve. Als die Regierung kürzlich 4 Mio. Barrel davon in Umlauf brachte, hatte diese Maßnahme jedoch nur einen begrenzten und kurzfristigen Erfolg.

OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro forderte außerdem die Mitglieder seiner Organisation am Mittwoch auf, die Produktion zu erhöhen, um "dem Markt das Signal zu geben, dass wir keinen Angebotsengpass haben".

Anstieg um 80 Prozent

Rohöl ist derzeit rund 80 Prozent teurer als im Vorjahr - um aber inflationsbereinigt das Allzeithoch vom Februar 1981 zu erreichen, müssten sie auf 80 Dollar klettern. Allein im vergangenen Monat haben die Preise um 10 Dollar zugelegt.

Einer der Hauptgründe dafür war das nur langsame Wiederanfahren der Produktion im Golf von Mexiko, wo Hurrican "Ivan" von Louisiana bis nach Texas Pipelines und Anlagen zerstört hatte.

In den vergangenen Monaten haben Unruhen und Probleme in wichtigen Ölförderländern wie Russland, Nigeria, Irak und Venezuela die Preise in die Höhe getrieben - hinzu kommen Sorgen angesichts des nahenden Winters.

Die Überkapazität liegt derzeit lediglich ein Prozent über dem Weltverbrauch von 82 Mio. Barrel, was im Falle eines Produktionsausfalls wenig Spielraum lassen würde. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist der große Öldurst der boomenden chinesischen Wirtschaft. (APA/AP)