Ob als Schattengestalt ...

... oder versonnen in einem Sessel spielend:

Weder Beck noch Blondie, nicht The White Stripes oder The Libertines stehen im Fotoband des Hedi Slimane im Mittelpunkt. Sie alle begleitete der Pariser Modemacher auf ihren Konzerten ...

Die Stühle in einer Reihe, das Kabel schön ordentlich aufgerollt, ein einzelnes Mikrofon starrt in den nachtschwarzen Himmel, ein Teddybär hat sich mitten unter einige an die Wand gelehnte Gitarren verirrt. Es ist eine Welt in Schwarz / Weiß, die der wunderbare Hedi Slimane in diesem Fotobuch verewigt hat, eine Meditation über einen der lautesten Orte überhaupt, die Bühne.

So ruhig und in sich gekehrt hat man diesen Ort noch nie kennen gelernt, voller stiller Winkel und magischer Momente. "Control Room" steht als einzige Botschaft auf einem der Bilder, und Kontrolle könnte auch eines der den edlen Band durchziehenden Themen sein. In immer neuen Ansichten beschwört Hedi Slimane jedes Detail der Bühne, er nimmt Besitz von den grauen Ziegelmauern und den langen Gitarrenhälsen, den dreckigen Pappbechern und dem Kabelsalat. Nur die Menschen auf der Bühne bekommt man kaum zu Gesicht.

Und wenn, dann lümmeln sie wie Beck traurig in ihrem Sessel, sind so verzerrt, dass man sie kaum wiedererkennt. David Bowie, The Rolling Stones, Franz Ferdinand oder The Libertines: Sie alle hat der derzeit wohl aufregendste Männer-Modedesigner der Welt in den vergangenen Jahren immer wieder auf ihren Konzerten begleitet. Und daraus eine ganz eigene Bühnen-Mythologie erstellt.

Eine, die den Glamour am Rande sucht, die Klarheit mitten unter den Nebelschwaden, die Epiphanie im Zeichen des Trash. Das war schon im vergangenen Jahr erschienenen Berlin-Buch des Hedi Slimane so, das ist auch bei seinen schmalen, feingliedrigen Dior Homme Anzug-Silhouetten so, die die französische Männermode revolutionierten, und das lässt sich jetzt auch angesichts dieses in Moll getauchten Buches sagen. "Meine dunkle Seite liegt in der Hausbesetzer- und Punkrockszene", hat Slimane vor einiger Zeit in einem Interview erklärt, und diese Einflüsse ziehen sich auch durch "Stage".

Die Tristesse ist in diesen hybriden Inszenierungen mit den Händen greifbar. Weit abseits der Star- und Hochglanz-Welten huldigt Slimane einem geradezu privatistischen Blick auf und hinter die Bühne. Als Modemacher hat er diese Haltung auch auf seine Kreationen übertragen - und dafür von Yves Saint Laurent bis Karl Lagerfeld, in dessen Edition 7L bei Steidl auch dieser Band erscheint, viel Applaus geerntet. Mit Slimane hat Frankreich neben Gaultier endlich einen ernst zu nehmenden Männer-Designer erhalten - einen, der mit seinen androgynen Modellen auch konkrete Aussagen über den Mann von heute liefert. Und der sich mit schöner Regelmäßigkeit die faszinierendsten Eskapaden leistet. (Stephan Hilpold, DER STANDARD, rondo/29/10/2004)