Zuerst ihr Wirtschaftsprogramm, dann die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei, jetzt die Finanzausgleichsverhandlungen: Drei Themen, bei denen die SPÖ ohne Not in die Fettnäpfe förmlich hineingetrampelt ist und ihren Parteivorsitzenden alt aussehen ließ. Bei ersteren musste Parteichef Alfred Gusenbauer nachträglich ausrücken, um seine fürwitzigen Genossen einzufangen und auf Linie zu bringen. Die danach angestimmten Beteuerungen, der Zick-Zack-Kurs sei Ausdruck gelebter Demokratie und daher irgendwie auch eine Linie, klangen, nun ja, irgendwie bemüht.

Den letzten Fehltritt hat Gusenbauer aber selbst produziert, da hat ihm niemand aus der Partei geholfen. Es ist ja löblich, Dialogbereitschaft nicht nur anzubieten, sondern auch zu praktizieren, wenn der Bundeskanzler zur "Information" ruft: Aber gezwungen hat Gusenbauer niemand, sich in die Finanzausgleichsverhandlungen - und sei es nur peripher - einbinden zu lassen. Mittlerweile müsste auch ihm aufgegangen sein, wie die ÖVP ihre selbstverständlich legitime Strategie verfolgt, die Last unangenehmer Entscheidungen auf möglichst viele Vertreter auch der Opposition zu verteilen: Wer nicht sofort schreit, damit nichts am Hut zu haben, ist "eingebunden" - das ist die ebenso simple wie wirksame Lopatka-Doktrin.

Mit der einfachen Ansage am nächsten Tag, er habe mit dem Kanzler gesprochen und beurteile die Ergebnisse des Finanzausgleichs wie auch immer, wäre Gusenbauer die unnötige Debatte darüber erspart geblieben, was er wann von wem erfahren habe. Und das ist keine Frage der internen oder externen Kommunikation, sondern eine Definition der aktuellen Standpunkte: Die SPÖ ist in der Opposition, nicht an der Regierung, also muss sie auch nicht so tun, als ob sie es schon wäre. DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2004)