Salzburg - "Schön, dass wir über Akquisitionsfinanzierung reden und nicht über den Verkauf", begann der M&A-Experte Klaus Mittermair, Partner der KPMG, sein Plädoyer gegen die Fragmentierung der heimischen Unternehmenslandschaft, "denn Österreichs Firmen schlagen sich unter ihrem Wert, obwohl sie im internationalen Spitzenfeld liegen".

Passend für den Ort eines Workshops der Investkredit in Kooperation mit dem STANDARD in der Vorwoche: Das Familienunternehmen Wimmer Hartstahl in Thalgau, das vor 20 Jahren den ersten Baggertieflöffel reparierte, mittlerweile mit 100 Mitarbeitern verschiedene Anbauwerkzeuge für Bagger aus Hartstahl erzeugt, damit rund zehn Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet und in Tschechien und Kanada produziert.

Mehr Mut

Mittermairs Schluss: Allein die Kleinheit - er stellte die rund sieben Mrd. Euro Umsatz der heimischen OMV den 50 Mrd. der Schweizer Nestlé gegenüber - zwinge heimische Unternehmen zu Akquisitionsstrategien. Sein Appell lautete: Mehr Mut und Selbstbewusstsein.

Gerhard Ehringer, Leiter der Unternehmensfinanzierung der Investkredit, lieferte dazu die Palette der Finanzierungsinstrumente und Dienstleistungen der Banken. Roland Mittendorfer, Investkredit-Chef in Frankfurt, sieht eine "sehr dynamische" Entwicklung in diesem Bereich und vor allem Finanzinvestoren auf dem Vormarsch: Rund 35 Mrd. Euro liquide Mittel in Private-Equity-Fonds suchten derzeit in Europa ihre Anlage, so Mittendorfer.

"Guter Zeitpunkt"

Ergänzt um weitere Finanzierungsformen ergebe das ein Volumen von rund 100 Mrd. Euro, das für Unternehmensbeteiligungen und -käufe zur Verfügung stehe. Fazit: "Es ist ein guter Kaufzeitpunkt." Auch wenn Kaufpreise wegen Überliquidität steigen und durchschnittlich schlechtere Bonitätseinstufungen der Kandidaten bei großen Deals mehr Risiko in die Szene bringen.

"Überraschungen einplanen", ist eine der Lehren, die Josef Bachler, Finanzchef und Minderheitsgesellschafter der Stadlbauer Marketing und Vertrieb Ges.m.b.H., aus dem Aufbau des 1953 gegründeten Großhandelsbetriebes zu einer internationalen Gruppe mit rund 130 Mio. Euro Umsatz zieht. Kernstück war die Akquisition und Sanierung von Carrera (bekannt mit Rennautos für Piloten ab sechs) vor fünf Jahren, damals auch mittels Förderungen der FGG (heute AWS) finanziert. Er sieht die "Probleme" der KMU in Österreich hauptsächlich in unklarer Führungsstruktur und oft verzettelter Produktpalette.

Das Finanzierungsportfolio für zyklisches Wachstum legte Palfinger-Finanzchef Eduard Schreiner dem Auditorium vor - er hatte dabei einen aktuellen Anlass: Der börsennotierte Kranerzeuger mit zuletzt 334 Mio. Euro Umsatz hat jüngst den deutschen Marktführer für Lkw-montierte Hubarbeitsbühnen, Bison stematec, gekauft - eine aktive Konsolidierungsstrategie in einem (auch) fragmentierten Markt.

"...da ein Bankenweg"

Seinen Beruf sieht er als Management des "Spannungsfeldes von Gegenwart und Zukunft". Die Frage laute, wie mit der Stabilität des operativen Geschäftes die Zukunft möglichst antizipiert werden könne. Sein Fazit, zugleich Appell: "Wo ein Wille, dort auch ein Bankenweg."(Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe, 02.11.2004)