See in Innsbruck

derstandard.at
Innsbruck - Die Entwicklung neuer und effizienterer Strategien des Sonnenschutzes wollen Innsbrucker Wissenschafter durch die Erforschung von Klein- und Mikroorganismen in Hochgebirgsseen ermöglichen. Mit selbst produzierten Sonnenschutzmitteln schützen sich diese Organismen vor UV-Strahlung und regenerieren entstandene DNA-Schäden.

Die beispielsweise von Phytoplankton produzierten Sonnenschutzsubstanzen hätten im Vergleich zu herkömmlichen Mitteln viele Vorteile, sagte Ao. Univ.-Prof. Ruben Sommaruga vom Institut für Zoologie und Limnologie der Universität Innsbruck. Erstens würden sie die UV-Strahlung sehr effizient absorbieren. Zweitens würden die Sonnenschutzsubstanzen mit UV-Strahlung sehr stabil reagieren. Dies habe den Vorteil, dass keine für die Haut "sehr schädliche" Reaktion mit Sauerstoff erfolge.

Wertvolle Seen

Sommaruga habe mehrere Hochgebirgsseen im alpinen Raum, den Anden, den Pyrenäen und zuletzt im Gebiet des Himalaya untersucht. Dabei seien die Seen im Himalaya auf einer Höhe von bis zu 5.400 Metern Seehöhe als Extremstandorte für die alpine Forschung "besonders wertvoll". Die Konzentration an gelösten Huminsubstanzen, das heißt von Produkten der Vermoderung, welche die UV-Strahlung abschwächen, sei in den Himalaya-Seen noch geringer als in den Hochgebirgsseen der Alpen. "Trotzdem kommen einige Gewässerorganismen mit diesen extremen Bedingungen zurecht", sagte Sommaruga.

Sonnenschutz durch Phytoplankton

Einige Organismen, wie beispielsweise der Wasserfloh, würden zwar selbst keine Sonnenschutzsubstanzen produzieren. Durch das Fressen von Phytoplankton würden jedoch auch sie einen Sonnenschutz aufbauen. Dass Menschen durch das orale Einnehmen der Substanzen vor UV-Strahlung geschützt werden könnten, glaubt Sommaruga trotzdem nicht. Dahingehende Versuche anderer Wissenschafter mit Mäusen seien negativ verlaufen.

In den nächsten Wochen sollen die Forschungsergebnisse im Labor für Aquatische Photobiologie und Planktonökologie genauer analysiert werden. Die eventuelle Entwicklung einer neuen Sonnencreme werde dann aber nicht mehr an der Universität erfolgen können, sagte Sommaruga. (APA)