Belgrad/Pristina - Die Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der von der UNO verwalteten, südserbischen Provinz Kosovo hat am Mittwoch das Endergebnis der Parlamentswahl vom 23. Oktober mitgeteilt. Demnach erhält die mit 45,5 Prozent stimmenstärkste Partei, die Demokratische Liga des Kosovo (LDK) von Präsident Ibrahim Rugova, 47 der 120 Parlamentssitze, meldete die serbische Presseagentur Tanjug. In den vergangenen vier Tagen waren die Stimmzettel auf Antrag mehrerer Parteien erneut ausgezählt worden, was aber zu keiner wesentlichen Korrektur des vorläufigen Ergebnisses geführt hat. Die zentrale Wahlkommission hat das Endresultat angenommen.

Zehn Sitze auf zwei serbische Gruppierungen aufgeteilt

Hinter der LDK landete laut einer Aussendung der OSZE-Mission die Demokratische Partei des Kosovo (PDK) unter dem früheren Chef der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK), Hashim Thaci, mit 28,9 Prozent und 30 Mandaten. Die von Thacis UCK-Kameraden Ramush Haradinaj geführte Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK) erreichte demnach 8,4 Prozent der Stimmen (neun Mandate), gefolgt von der Ora-Partei des Star-Publizisten Veton Surroi (6,2 Prozent, sieben Mandate). Zwei Sitze im neuen Parlament erhielt die Albanische Christdemokratische Partei des Kosovo (PSHDK), eine der ältesten Albaner-Parteien in der Provinz. Drei weitere Parteien stellen je einen Volksvertreter.

Für Vertreter von Minderheiten des Kosovo sind insgesamt 20 Parlamentssitze unabhängig vom Wahlausgang reserviert. Die "Serbenliste für Kosovo und Metohija" erhält acht davon, die Bürgerinitiative Serbien, die zweite Liste der Kosovo-Serben, die kandidierte, zwei. Die serbische Volksgruppe hatte die Wahl weitgehend boykottiert. So wurden über die zehn Mandate hinaus, keine weiteren Sitze errungen. Die übrigen zehn reservierten Mandate werden auf andere Volksgruppen aufgeteilt.

An der Wahl beteiligten sich laut offiziellen Angaben 669.519 Bürger. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 53,57 Prozent.

Der Leiter der UNO-Mission im Kosovo (UNMIK), Sören Jessen-Petersen, wird am Mittwochabend in Belgrad erwartet. Dort wird er die Einbindung der serbischen Volksgruppe in die Provinzinstitutionen besprechen. Zum Wahlboykott hatten der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica aufgerufen. Nach den Ausschreitungen der Kosovo-Albaner gegen die Serben der Provinz im März, bei denen 19 Menschen getötet, 900 verletzt und 4.000 vertrieben wurden, sah er die Sicherheit der Kosovo-Serben nicht gewährleistet. Zudem hatte er die Teilnahme der Serben von der vorhergehenden Zustimmung zu dem Plan seiner Regierung für eine Dezentralisierung der Provinz abhängig gemacht. Nach der Wahl meinte Kostunica, die Serben sollte die ihnen zustehenden Parlamentssitze nicht annehmen.

Derzeit werden im Kosovo Gespräche über die Bildung einer Regierungskoalition geführt. Kosovo-albanischen Printmedien spekulierten in den vergangenen Tagen, dass die LDK in Opposition gehen dürfte. Präsident Rugova soll demnach nicht bereit sein, sich an einer Koalition zu beteiligen, die die Ora-Partei miteinschließt. Ora-Chef Surroi ist einer der schärfsten Kritiker Rugovas. (APA)