Mit 800.000 Euro haben die Gemeinde und der Tourismusverband von Galtür einen drohenden Konkurs des Alpinariums verhindert. In dem im Lawinenwall untergebrachten Zentrum setzt man jetzt voll und ganz auf die planmäßige Durchführung der Landesausstellung 2005.
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Galtür/Innsbruck - Ende der Vorwoche wurden die Tiroler Festspiele in Erl durch einen gemeinsamen Kraftakt von Land Tirol, Bund und einem privaten Sponsor entschuldet. Jetzt ist ein anderes kulturelles Prestigeprojekt ins Trudeln geraten: das Alpinarium in Galtür.

Erst im Vorjahr ist das nach der Lawinenkatastrophe von 1999 im Lawinenschutzdamm errichtete Forschungs- und Dokumentationszentrum eröffnet worden. Ab 14. Mai 2005 soll dort gemeinsam mit dem Salzlager Hall die Tiroler Landesausstellung "Die Zukunft der Natur" stattfinden.

Rechnungen von Handwerkern sind offen

Alpinarium-Geschäftsführer Manfred Lorenz spricht von einem "Liquiditätsengpass", der dazu geführt hat, dass Rechnungen von Handwerkern und Gestaltern der aktuellen Ausstellung "Die Lawine" seit Monaten offen sind. Betroffene kritisieren das unprofessionelle Management. Vor allem die Forderungen kleinerer Unternehmen seien oft unkommentiert nicht bezahlt worden. Kurzfristig sind die Gemeinde Galtür und der Tourismusverband - beide Gesellschafter des Alpinariums - mit einer Haftung für 800.000 Euro eingesprungen, um den drohenden Konkurs abzuwenden.

Fatale Verschiebung

Lorenz nennt als Hauptursache für die Probleme die Verschiebung der ursprünglich bereits für 2003 geplanten Landesausstellung auf 2005. Auch die lähmende Debatte um eine von Landeshauptmann Herwig van Staa forcierte Zusammenlegung der Tourismusverbände des gesamten Paznauntales und damit der ungleichen Nachbarn Ischgl und Galtür trage mit Schuld. Die derzeitige Ausstellung "Die Lawine" sei mit mehr als 50.000 Besuchern nach knapp fünf Monaten kostendeckend.

"Es ist schwierig, eine Kultureinrichtung wirtschaftlich zu führen", betont indes Bürgermeister Anton Mattle, inzwischen auch Abgeordneter zum Tiroler Landtag. Mattle spricht sogar von Schulden im Ausmaß von 1,3 Millionen Euro, davon seien allerdings 500.000 vom Land gedeckt. Die übernommene Haftung sei für die kleine Gemeinde mit 770 Einwohnern keine Kleinigkeit. Er, Mattle, sei aber optimistisch, dass sich das Alpinarium durch die Landesausstellung "nachhaltig positionieren" könne und der ganze Ort von zusätzlichen Gästen profitieren werde.

Optimistisch ist auch Benedikt Erhard, Projektleiter der Landesausstellung, dass der Spielort Alpinarium mit dem Schwerpunkt "Überleben im Gebirge" nun gesichert ist. Erhards Hauptproblem: Wegen inhaltlicher Differenzen wurde das Zürcher Büro Vogts Landschaftsarchitekten als Planer der Ausstellung vor zwei Monaten durch Kobler Holzer Architekten (ebenfalls aus Zürich) ersetzt. Zeitlich werde es nun "sehr knapp, aber machbar", betont der Projektleiter.

Spätestens nach der Landesausstellung wird sich weisen, ob für die ambitionierte Idee des Alpinariums im entlegenen Galtür ein langfristiges Konzept realistisch ist. (Hannes Schlosser, DER STANDARD Printausgabe 4.11.2004)