Foto: Mini Collection
+++Pro von Doris Priesching

Selbstverständlich haben alle geheimen Lüste ihren Ursprung in der Kindheit. Nun kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wen genau wir zum Vorbild hatten, als wir uns bis zum Hals mit Schaum bedeckten. Jedenfalls, wenn daheim - selten genug - das Fa-Schaumbad zum Einsatz kam, waren wir "Stars".

Um uns Nackedeis im Wannenbad dieses Gefühl zu vermitteln, brauchte es nun einmal knisternden Schaum. Das musste uns nicht peinlich sein: Wir Schaumgeborene befanden uns in bester Tradition. Von Marlene Dietrich über Marylin Monroe und Brigitte Bardot: Ganz in der Rolle der Diven versunken klemmten wir waschlappengerollte Zigarren (was den Augen der Mutter verborgen bleiben musste) zwischen Zeige- und Mittelfinger und hauchten: "Hi, Darling, was liegt an?" Wir waren total schick.

Nicht zu vergessen die ungeahnten Möglichkeiten des Spiels: sich gegenseitig den Schaum ins Gesicht blasen, ihn auf Nase und Haupt zu setzen, Bärte zu formen und in der Rolle des Nikolo lebenswichtige Fragen in den Raum zu stellen: "Liebe Kinder, wart ihr auch alle brav?"

All das ist dem Erwachsenen strengstens verboten, und es fällt ihm auch gar nicht mehr ein, solch unschickliche Dinge zu tun. Also sucht er sich einen Ersatz: Rosmarin, Eukalyptus, Thymian, Heublumen und Mandelöl zieren allein den Wannenrad. Darauf verzichten? Niemals. Und den Gag mit dem Nikolo werde ich bei nächster Gelegenheit zum Besten geben.

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Contra ---
von Benno Zelsacher

Wie Würste haben Detergenzien zwei Enden. Doch im Gegensatz zu Würsten, denen es wurscht ist, in welches Ende man zuerst beißt, besitzen schaumbildende Moleküle namens Detergenzien zwei völlig unterschiedlich reagierende Enden. Eines ist hydrophil, eines hydrophob, das heißt, dass eines das Wasser liebt und eines es fürchtet. Dermaßen oberflächenaktiv ordnen sie sich zu flüssigen Wänden - bei genauerem Hinschauen sind es konzentrische Doppelschichten - , die gasförmige Bläschen umschließen. Schüttet man nun einen Haufen Detergenzien in die Badewanne und bewegt das Wasser, am besten mit der Brause, schäumt es wonniglich.

Die physikalischen Fakten klingen vergleichsweise zu den chemischen Mitmarschierern lecker. Der Markt hat aber allerhand anzubieten. Man findet, gründliche Suche vorausgesetzt, sogar Schaumbäder, bei deren Entwicklung auf Tierversuche verzichtet wurde, bei manchen steht sogar drauf, dass sie hautverträglich sind, andere brennen nicht einmal in den Augen. Es liegt einem fern, Kindern den Spaß am schäumenden Wasser zu nehmen, sie werden schon noch draufkommen, was dahinter steckt. Selbst, als durch und durch hydrophiler Typ, steht man der Wanne skeptisch gegenüber, weil es einen dünkt, dass es effizienter ist, den Dreck wegzuduschen als in ihm zu suhlen und noch dazu das Klumpert aus dem Drogeriemarkt hineinzuschütten. (Der Standard/rondo/05/11/2004)