Bild nicht mehr verfügbar.

Bei der Lese

apa/dpa/Uwe Zucchi
"Es ist bis jetzt immer noch schön geworden", lacht Hannes Hirsch, Winzer aus Kammern bei Langenlois. Wobei es langsam Zeit wird, "von sechs Weinen sind noch viereinhalb draußen". Jetzt gehe es darum, noch "physiologische Reife zu schinden" und die Trauben hängen zu lassen, damit die Aromatik noch ausreifen kann. Ertragsreduzierung sei der ausschlaggebende Punkt in diesem feuchten und kühlen Jahr gewesen, "wer da nicht ordentlich gearbeitet hat, wird einen Riesenschmarren beieinander haben". Für die anderen prophezeit Hirsch "ein irrsinnig gutes Riesling-Jahr".

Auch bei Rudi Pichler aus Wösendorf in der Wachau ist alles spät, aber gut. Er habe gerade erst mit der Lese angefangen, meint er Ende Oktober, es sei feucht, der Botrytis-Druck (Schimmelbildung) sei aber nicht so arg. Das Wichtigste für ihn sei heuer ohnehin die Säure, also das Verhältnis zwischen spitzer Apfel- und reifer Weinsäure, "und das schaut sehr gut aus". Auf die Frage nach vergleichbaren Jahrgängen antwortet Rudi Pichler überraschend mit "2003, das war auch ein schwieriger Jahrgang".

Genau das Gegenteil von 2003 erlebte hingegen Peter Malberg vom Weingut Graf Hardegg im Weinviertel, er attestiert hohe Säure, aber auch viel Zucker, und die Lese sein so späte wie überhaupt noch nie. Das Traubenmaterial sei gesund, beim Pinot Noir sogar grandios, "es ist anzunehmen, dass die Aromatik heuer irrsinnig interessant wird, aber kein Wunder, die Trauben hingen zwei Monate länger als voriges Jahr". Wenn man die Säure im Griff hat, werden die 2004er Weine, "die wirklich schön Spaß machen". In der Thermenregion sei es heuer kein Jahr für die späten Sorten Riesling und Zierfandler, meint Lisi Alphart, Ehemann Karl ergänzt aber, dass ordentliche Weingartenarbeit noch nie so belohnt wurde wie in diesem Jahr.

Und Hans Nittnaus aus Gols dürfte fleißig gewesen sein, er meint nämlich, dass 2004 sein bestes Jahr überhaupt gewesen sei, "beim Zweigelt und Pinot Noir das Beste, was ich je gehabt habe, St. Laurent ein Traum, auf jeden Fall besser als 2003". Erstaunlich in einem so nassen Jahr: Teilweise seien Trockenschäden aufgetreten, die aber aus dem kargen Vorjahr resultieren, Botrytis sei auch in Gols kein Problem, so Nittnaus, im Gegenteil, "bei der TBA geht überhaupt nichts weiter".

Anders im Mittelburgenland, wo Franz Weninger durchaus große Schäden durch Fäulnis feststellt, und wer vor den starken Regenfällen im Oktober - 70 Liter Niederschlag während der Leseperiode - nicht gelesen hatte und auf höhere Qualitäten spekulierte, "der wurde bestraft". Der Zweigelt sei jedenfalls schön wie nie, früh gelesener Blaufränkisch ebenso.

Hart hatten's die Südsteirer, Reife wollte sich nicht einstellen, Fäulnis schon, der Aufwand bei der Lese sei heuer enorm gewesen, meint Walter Polz, "20 Prozent haben wir auf den Boden geschmissen, Botrytis war ein Thema". Voriges Jahr hätte ein Lese-Helfer durchschnittlich 700 Kilo pro Tag eingebracht, heuer nur 210 bis 230, "man musste jede Traube umdrehen und begutachten". Dennoch, das, was im Keller ist, sei "so richtig gut zum Trinken", ohne hohe Alkoholwerte, aber physiologisch reif, "ungefähr so wie das 90er-Jahr". Das bekanntlich ein gutes war. (floh/Der Standard/rondo/5/11/2004)