Bis zu 100 Meter hohe Gebaeude sieht der Masterplan für den neuen Stadtteil rund um den neuen Wiener Zentralbahnhof vor

Grafik: HOTZ/HOFFMANN - WIMMER
Wien - Die Wolken werden zwar nicht gekratzt - höchstens bei Bodennebel. Aber ein Hochhaus nach Wiener Bauordnung soll es schon werden: Für den neuen Stadtteil am geplanten Zentralbahnhof "Bahnhof Wien - Europa Mitte" (so die Stadt Wien-Diktion) sind nun Gebäude mit bis zu 100 Metern Höhe vorgesehen. Die Silhouette des nahen Belvedere werde dadurch aber sicher nicht gestört, wie Planungsdirektor Arnold Klotz am Donnerstag versicherte.

Der Architekt Albert Wimmer sowie das Team Theo Hotz und Ernst Hoffmann hatten im Juli den städtebaulichen Wettbewerb für das 55 Hektar große Areal zwischen dem jetzigen Süd- und Ostbahnhof gewonnen. Jetzt haben sie gemeinsam einen Masterplan erarbeitet. Dieser soll laut Klotz noch im Dezember dem Wiener Gemeinderat vorgelegt werden.

Neben den kommerziell genutzten Bauten wird sich das Bahnhofsgebäude selbst fast bescheiden ausnehmen. Es soll auch nur ein Zehntel der gesamten Investitionssumme von 420 Millionen Euro kosten. Der neue Verkehrsknoten mit Eingang im Bereich des Südtirolerplatzes soll gegen 2010 den heutigen Süd- und Ostbahnhof ersetzen. Ausgelegt wird er auf über 60.000 Passagiere pro Tag.

Stadtteil mit Park

Gleichzeitig soll das Gelände zwischen Wiedner Gürtel, Sonnwendgasse, Arsenal- und Gudrunstraße erschlossen werden. Dort soll ein neuer Stadtteil mit Einkaufszentrum, Büros, Wohnungen, Schulen, einem Park und Gewerbebetrieben entstehen. Mithilfe der Grundstücksverwertung soll der Bahnhof selbst mitfinanziert werden. Mittelpunkt dieses im Süden des Bahnhofs gelegenen Stadtteils soll ein "Europa-Park" werden, der sich in der Länge fast über das gesamte Areal erstreckt.

U2 wird nicht an den Bahnhof angeschlossen

Unumstößlich sei die Entscheidung der Stadt, die südliche Verlängerung der U2 nicht direkt an den Bahnhof anzubinden, sondern sie südlich am Bahnhof vorbeizuführen, um die Wohngebiete anzubinden, bekräftigte Klotz am Donnerstag. Der von den ÖBB geforderte U2-Anschluss würde auch nicht den Bahnhof selbst, sondern lediglich das geplante Einkaufszentrum erreichen, so Klotz.

Gegen dieses Einkaufszentrum hatte wiederum kürzlich der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Nettig massive Bedenken geäußert: Dieses Vorhaben sei eine "klare Fehlplanung" und bedrohe eine Einkaufsstraße in unmittelbarer Nähe - die Favoritenstraße. (APA, frei, DER STANDARD Printausgabe 5.11.2004)