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Hillary Clinton

Foto: REUTERS/STRINGER/USA
Politische Dynastien haben in den USA Konjunktur. Für die verzweifelten Demokraten ist es daher eine Frage der Logik und Gerechtigkeit, dass nach Bush, Clinton und Bush wieder Clinton dran wäre.

Die Niederlage von John Kerry hat Hillary Rodham Clinton zum stärksten Zugpferd ihrer Partei gemacht. Die New Yorker Senatorin und ehemalige First Lady genießt einen Bekanntheitsgrad von 100 Prozent, eine riesiges Netzwerk von Kontakten, das ihr beim Sammeln von Wahlkampfspenden hilft, und sie hat sich seit ihrer Wahl vor vier Jahren als geschickte und populäre Volksvertreterin erwiesen. Allein ihr Vorname ist Programm.

Es ist ein Programm mit vielen Facetten und Widersprüchen. Hillary passt gut in das Amerika der Werte. Die Tochter eines konservativen Geschäftsmannes aus Illinois ist – ebenso wie George W. Bush – eine gläubige Methodistin. Sie hat sich im Senat in vielen innenpolitischen Fragen rechts von der Mitte positioniert und ist für den Irakkrieg eingetreten. In ihrem adoptierten Heimatstaat New York hat sich auch viele frühere Kritiker für sich gewonnen; ihre Zustimmungsrate ist von 38 Prozent nach ihrer Wahl auf 61 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig ist die 57-jährige Juristin das Symbol für jenen wertezersetzenden Feminismus, der aufrechte amerikanische Christen empört und am Dienstag in Massen zu den Wahlurnen getrieben hat. Schon im Wahlkampf 1992, als sie an ihrem ehebrüchigen Mann Bill zur Seite stand und ihr dabei auch abfällige Worte für Hausfrauen entschlüpften, wurde sie zum Lieblingsfeind der Rechten. Die Hetzjagd verstärkte sich nach dem Einzug der Clintons ins Weiße Haus.

Trotz ihrer Intelligenz verpfuschte sie die Gesundheitsreform, die Bill ihr unglücklicherweise übertragen hatte. Sie wurde Zielscheibe der bösesten Gerüchte, bis hin zur Vermutung, ihren Ex-Anwaltspartner Vincent Foster ermordet zu haben. Sonderermittler Kenneth Starr nahm Hillary genau unter die Lupe, ohne irgendetwas zu finden.

Die First Lady zog sich aus der Tagespolitik zurück und hielt sich stärker im Hintergrund. Sie fand erst Anfang 1998 ihre Stimme in der Lewinsky-Affäre wieder. Als doppeltes Opfer – ihres untreuen Mannes, der sie betrogen und dann belogen hatte, und einer "großen rechten Verschwörung" (Hillary), die sich gegen beide Clintons richtete – wurde sie zu einer amerikanischen Ikone.

Ihre Ehe mit Bill bleibt nach außen hin intakt, ihre Tochter Chelsea ist erwachsen, und Hillary ist ein ernstzunehmender Machtfaktor in Washington. Bevor sie allerdings an eine Rückkehr ins Weiße Haus denkt, muss sie 2006 als Senatorin wiedergewählt werden – gegen die geballte Macht der Republikaner, die alles in die Schlacht werfen werden, um Hillary zu besiegen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5.11.2004)