Die Aufmerksamkeits-
Hyperaktivitätsstörung wird bei Kindern relativ spät diagnostiziert, ist das Ergebnis einer internationalen Studie.

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Klingenmünster - Zwischen der Vorstellung eines verhaltensauffälligen Kindes beim Arzt und der Diagnose einer so genannten Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vergehen im Durchschnitt etwas mehr als zwei Jahre. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die vom Weltverband für geistige Gesundheit vorgestellt wurde. "Während dieser langen Zeit leiden sowohl die betroffenen Kinder als auch die Familien, denn ohne Diagnose kann auch nicht behandelt werden", so Michael Brünger, Chefarzt am Pfalzinstitut für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Klingenmünster.

Die Gründe für den langen Weg der von ADHS betroffenen Familien bis zur Diagnose seien vielschichtig, erklärte Brünger. Zum einen gebe es angesichts der geschätzten hohen Zahl von kleinen ADHS-Patienten viel zu wenig Kinder- und Jugendpsychiater. Kinder- und Jugendärzte müssten zudem besser über ADHS Bescheid wissen. Die Krankheit trete in vielen Fällen mit anderen kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen wie Tics, Depressionen oder Angststörungen auf.

Familiäre Probleme und soziale Folgen

ADHS belaste das familiäre Zusammenleben erheblich. So habe die Mehrzahl der Eltern angegeben, den ganzen Tag unter der ADHS-Störung ihrer Kinder zu leiden. Dies müsse bei der Therapie berücksichtigt werden. "Eine wirksame Behandlung der ADHS-Symptomatik zielt auf eine bessere Integration des Kindes in Schule und Familie ab", sagte Brüngerer. Betroffene Kinder werden im Unterricht als Unruhegeister wahrgenommen und sind auf dem Schulhof Außenseiter. Diese sozialen Folgen spürten die Kinder und würden trotzig oder traurig.

Die Belastungen für die Familien seien so hoch, dass diese häufig daran zerbrechen: Die Scheidungsrate von Familien mit einem ADHS-Kind sei fünf Mal höher als in der Normalbevölkerung.

Empfehlung

Wenn Eltern bei ihren Kindern Verhaltensauffälligkeiten beobachten, dann sollten sie nach Brüngers Worten rechtzeitig zu einem fachkundigen Arzt gehen. Kämen sie mit ihrem Kind nicht zurecht, gäben sie häufig zunächst sich selbst die Schuld. "Erst wenn sie nicht mehr ein noch aus wissen, gehen sie zum Arzt", sagte Brünger. Bis dahin könnten aber Jahre vergehen, in denen das Kind unbehandelt bleibe. (APA/AP)