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Wien - Bei der Erforschung der frühen Evolution des Menschen werden beim Fund fast jeden neuen Fossils neue wissenschaftliche Theorien veröffentlich. Wie jüngst etwa jene des Homo floresiensis, einer indonesischen Zwergmenschenart, die unsere Ahnengalerie erweitern soll - DER STANDARD berichtete.

Die Evolutionsgeschichte des modernen Menschen hingegen sei jedoch kaum umstritten, erklärte Freitag Luca Cavalli-Sforza von der Stanford University am Vienna Biocenter bei einem Symposium zum Thema. Es stehe heute fest, dass der Homo sapiens vor rund 100.000 Jahren in Ostafrika entstand.

Ursprünglich eine kleine Gruppe, die über rund 50.000 Jahre nur langsam größer wurde, verbreitete sich unsere Art zuerst nach Süd- und Zentralafrika. Vor 50.000 Jahren begann die Zahl der Individuen rapide zuzunehmen, die Eroberung der Welt begann: zuerst Südasien und Europa, dann Ost-Asien und Ozeanien. Vor gut 15.000 Jahren erreichten die Menschen Amerika, vor rund 6000 Jahren die Pazifischen Inseln.

Zu diesen Erkenntnissen kamen Forscher weltweit durch Genanalysen. Dabei nutzen sie den Umstand, dass nicht alle Gene einem Selektionsdruck unterliegen. In einem Teil des Erbgutes laufen Mutationen zufällig ab, ohne dass sie ihrem Träger Vor-oder Nachteile bringen. Dies bedingt die so genannte Gen-Drift, jenes Phänomen, dass voneinander räumlich getrennte Populationen sich genetisch langsam auseinander entwickeln. Beim Vergleich der Genetik heutiger Populationen konnten Wissenschafter errechnen, wann sie sich getrennt haben und einen Stammbaum aufstellen. Verfolgt man diesen in die Vergangenheit, so trifft man auf den Urstamm vor 100.000 Jahren in Ostafrika.

Andere genetische Analysemethoden, die entweder über die mitochondriale DNA, die nur von der Mutter weitergegeben wird, oder über das nur vom Vater vererbte Y-Chromosom gehen, kommen zum selben Ergebnis. Unser Ursprung ist somit determiniert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7. 11. 2004)