Standard: Herr Rebernig, das Berufssportgesetz kommt und kommt nicht. Ist das eine Katastrophe für den Fußball? Rebernig: Nein. Ich war einer derjenigen, die 1999 einen Kollektivvertragsentwurf für die Bundesliga ausgearbeitet und präsentiert haben. Damit hätten wir einige Probleme regeln können. Das Papier wurde nicht zuletzt von Sturms Präsident Hannes Kartnig vom Tisch gewischt, mit dem Kommentar: Wir brauchen ein Sportgesetz. Ich hab damals gesagt, das braucht mindestens zwei Legislaturperioden. Standard : Es wird also noch dauern. Und was bis dahin? Rebernig: Wir brauchen eine Ist-Analyse und ein Kompetenzzentrum. Die Trainer werden sechs Jahre lang ausgebildet, bis sie die vorgeschriebene UEFA-Lizenz haben, aber Klubmanager werden, und ein Zig-Millionen-Budget verwalten, kann und darf heute schon jeder. Die Unkenntnis der bestehenden Möglichkeiten und die Uninformiertheit der Funktionäre sind die größten Strukturschwächen unseres Fußballs. Standard : Es gibt die Bundesliga-Managementakademie: nicht gut? Rebernig: Das ist ein kleiner Anfang. Aber die Ausgebildeten kommen erstens nicht zu den Jobs. Zweitens müsste das ein Anliegen des ÖFB und der Politik sein. Die öffentliche Hand zahlt horrende Summen in die Branche Fußball, aber die Investitionen werden insofern nicht geschützt, als die Entscheidungsträger nicht über das notwendige Wissen verfügen müssen. Ein Beispiel: Die UEFA und der ÖFB vergeben Spielervermittlerlizenzen, das ist eigentlich ein genehmigungspflichtiges Gewerbe, also eine Anmaßung des ÖFB. Die Anwaltskammer kann auch nicht sagen: der oder der ist Anwalt. Dafür gibt es einschlägige Ausbildungen und Prüfungen. Standard : Aber die Lizenzierung sichert doch die wirtschaftliche Gesundheit? Rebernig: Die UEFA hat die Lizenzierung eingeführt, um eine Basisqualität sicherzustellen, weil eben die Managementebene in vielen Ländern unter jeder Kritik ist. Wäre das in Ordnung, bräuchte man keine Lizenzierung. Ich muss als Anwalt ja auch nicht jede Honorarvereinbarung der Kammer vorlegen. Standard : Das Problem ist doch die Ehrenamtlichkeit im Fußball-Business. Rebernig: Ja. In der T-Mobile-Liga kenne ich drei professionelle Manager. Aus. Die meisten Präsidenten und Manager wissen gar nicht, welche Gefahren ihnen drohen und welche Bestimmungen in Fragen der Haftung, des Gläubigerschutzes, der Mitgliederrechte das neue Vereinsgesetz 2002 enthält. In den Satzungen der Bundesliga ist eine Mindestvertragsdauer von einem Jahr verankert. Das ist schlicht gegen das Arbeitsrecht, gegen die Vertragsfreiheit des Arbeitnehmers. In der Bundesliga grassiert die Winkelschreiberei, Sturm verlor den Roman Wallner wegen der eigenen Inkompetenz an Rapid. Standard : Warum schaut der Ligapräsident und Unternehmer Frank Stronach nicht auf die Managerqualität? Rebernig: Frank Stronach hat immer gemahnt, dass nicht nur die Gemeinnützigkeit zählt, sondern die Vereine Unternehmer sind, mit allen Chancen und aller Selbstverantwortung. Der ÖFB wollte lange Zeit nur gemeinnützige Vereine als Mitglieder. Standard : In England gibt es den Sportlehrling, die Wirtschaftskammer startet eine Sport-Job-Offensive: sinnvolle Ansätze? Rebernig: Die EURO 2008 kommt auf uns zu, das wäre ein Hebel gegen die steigende Jugendarbeitslosigkeit. Die EURO schafft tausende Jobs, im Sektor Eventmanagement, im Marketing. Wir brauchen eine Chance, Sportberufe studieren zu können, denn der Sport unterscheidet sich zum Teil von der Wirtschaft rundherum. (DER STANDARD Printausgabe 08.11.2004)