Wien - Äußerst zurückhaltend zur geplanten Mehrheitsübernahme der VA Tech durch Siemens hat sich heute Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) gezeigt. Siemens sei eine sehr geachtete Firma. "Die werden sicher verantwortungsbewusst die Eigentümerrecht wahrnehmen," sagte der Kanzler am Rande eines Wirtschaftsforums zum Thema Südosteuropa am Montag in Wien. Das Thema falle aber nicht in seine Zuständigkeit, unterstrich der Kanzler.

Freundliche Signale von Bartenstein

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) hat sich am Montag als erstes Regierungsmitglied dagegen eindeutig positiv zum bevorstehenden Übernahmangebot des Siemens-Konzerns für die VA Tech geäußert. Die Übernahme bedeute eine "Stabilisierung der Eigentümerstruktur" und die VA Tech sei ein Schlüsselunternehmen, für das die Regierung "stabile Eigentümer" haben wolle, erklärte Bartenstein in einer Aussendung in den Mittagsstunden. Bartenstein qualifizierte Siemens-Aussagen als "Standortgarantie".

Er begrüße, dass Siemens im Gegensatz zur zuletzt gewählten Vorgangsweise nun mit offenen Karten spiele und das notwendige Maß an Transparenz damit gegeben sei. 15-Prozent-Aktionär ÖIAG sei "Garant dafür, dass es im Interesse des Standortes Österreich und der Arbeitsplätze zu keiner Zerschlagung des Konzerns kommen" werde.

Leitl: "Es geht um ein klares Konzept"

Ebenfalls zu Wort gemeldet hat sich auch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Ob der Einstieg von Siemens an der VA Tech positiv oder negativ sei, müsse das Unternehmen selbst entscheiden. Das sei nicht Aufgabe der Regierung. "Es geht darum, dass ein Unternehmen dieser Größe ein klares Konzept und Zukunftsperspektiven hat." Diese Fragen müssten die verantwortlichen Organe des Unternehmens nach eingehender Prüfung beantworten. Siemens sei ein sehr verantwortungsbewusstes Unternehmen.

Auf die Kritik des Investors Mirko Kovats, der von einer Re-Verstaatlichung der VA Tech gesprochen hatte, meinte Leitl, er habe bei Kovats immer eine langfristige strategische Linie vermisst. Eine solche sei aber für ein Unternehmen von der Größenordnung der VA Tech unerlässlich. Das Unternehmen zähle zu den wenigen internationalen Spielern in der österreichischen Wirtschaft. Man müsse es daher pfleglich behandeln, so Leitl. Es gehe nicht zuletzt um die langfristige Standortsicherung in Österreich. "Ich lasse mich gerne positiv überraschen, was die Zukunft betrifft," ergänzte der Wirtschaftskammer-Präsident.

Die aktuelle Situation sei insofern nicht mit jener im vergangenen Sommer vergleichbar, als jetzt Kovats von sich aus als Verkäufer aktiv geworden sei und sein Aktienpaket an Siemens verkauft habe. Die damalige Diskussion sei an der Rolle der Staatsholding ÖIAG entbrannt.

Auch Klasnic erwartet Job-Absicherung

Die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) erwartet sich "gesicherte Zukunftsorientierung für unseren Wirtschaftsstandort" von Siemens hinsichtlich der VA Tech-Standorte in Weiz und auch in Graz mit rund 2.000 Mitarbeitern. Ferner erwarte sie sich Zusagen und das Bekenntnis zu einer Standortgarantie für die Steiermark, so die steirische VP-Chefin am Montag.

Siemens sei ein eng mit dem Bundesland verbundenes österreichisches Traditionsunternehmen, das in der Steiermark gegenwärtig rund 5.000 Arbeitsplätze sichere sowie eine beachtliche Anzahl an Zulieferbetrieben einbinde. Am Beispiel der AT&S mit ihren drei steirischen Standorten in Leoben, Fohnsdorf und Fehring sei ersichtlich, dass die Steiermark bei Sicherung und Zuwachs von Arbeitsplätzen auch für internationale Konzerne einen idealen Standort bietet.

Task Force

Klasnic wies darauf hin, dass im Ressort von Wirtschaftslandesrat Gerald Schöpfer (V) im September diesen Jahres eine "Task Force" eingerichtet wurde, an der neben den Verantwortlichen des Wirtschafts- und Finanzressorts, den Sozialpartnern auch Vertreter der LH-Stellvertreter Franz Voves (S) und Leopold Schöggl (F) mitwirken. Ausgehend von dieser Arbeitsgruppe sollen Mitarbeiterbeteiligungsmodelle erarbeitet werden, damit auch steirische Arbeitnehmer die Möglichkeit erhalten, Aktionäre zu sein.

"In Bezug auf Siemens Österreich-Chef Albert Hochleitner und Vorstand Brigitte Ederer erwarte ich mir eine positive Wachstumsstrategie für alle Standorte in der Steiermark sowie die Sicherung und den Ausbau der Arbeitsplätze", so Klasnic. (APA)