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Wien – Die Räuberbande, sofern es eine ist, wirkt müde. Sie hat (von ihren Anwälten auferlegtes) rigoroses Sprechverbot, was das Zuhören noch qualvoller gestaltet. Vier wetzen unruhig auf der Anklagebank herum. Dem fünften wird der Kopf immer schwerer, bis er endgültig nach vorne kippt. Verteidiger Christian Werner steuert gerade dem Höhepunkt seiner Eröffnungsrede entgegen. Da liegt der Mandant bereits auf dem Boden. "Der Kreislauf", mutmaßt die Dolmetscherin. Ein Notarzt kommt, die Rettung ist zur Stelle. Der Angeklagte wird abtransportiert. "War ich so langweilig?", fragt Anwalt Werner seine Kollegen.

Antriebsschwäche kann man diesen Herren von der "Rammbockbande", sofern sie ihr tatsächlich angehörten, im Leben außerhalb des Gerichtssaales wirklich nicht nachsagen. Am 1. Februar parkten sie ihren gestohlenen Transporter, der mit Lkw-Reifen ausgestattet war, in der Auslage des etablierten Juweliers "Wagner" in der Wiener Kärntner Straße. Dort rissen sie sich zwei Minuten heraus, um Schmuck und Uhren im Wert von einer Million Euro einzusammeln. Für die Flucht standen zwei geliehene Pkw bereit. Einer davon sollte wenig später in Vösendorf brennen, um Spuren zu verwischen. Die Fußgängerzone riegelten sie mit einem zweiten Transporter ab. Für polizeiliche Verfolger hatten sie Bretter mit Nägeln vorbereitet.

Wenn der Staatsanwalt Recht hat, sind den fünf Serben weitere neun Einbrüche in Ostösterreich gelungen. Bei Juwelier Wagner waren sie schon im Jahr davor einmal gewesen. Damals raubten sie allerdings noch zu Fuß. Vermutlich sind sie nur der Teil eines größeren und weitläufigen Ganzen, das man "kriminelle Organisation" nennt. Ein Organisator sitzt derzeit in Japan in Haft.

Was die Geständigkeit betrifft, geben sie sich bescheiden. Einzig Milan M., bekennt sich zu einem winzigen Einbruch. Immerhin klebte da sein Blut an einer Glasscherbe. Darüber verliert er hier freilich kein Wort. Umso bedrohlicher reden die Anwälte. "Das Schweigen wird hier die Zukunft sein", lässt Peter Philipp den Richter wissen. Es sei Aufgabe des Staatsanwalts, Fakten unter Beweis zu stellen. Das sei (noch) nicht geschehen. Daher gebe es auch keinen Grund, irgendwas zu sagen. Im übrigen sei sein Mandant unschuldig, sagt Philipp. Kollege Rudolf Mayer kratzt gar am glanzvollen Image der genetischen Spur. "Wie sicher ist die DNA?", fragt er – um rasch zur Antwort zu gelangen: "Erstaunlicherweise gar nicht so sicher, wie man glaubt." Zum Beispiel habe man seinen Mandanten für den Träger jener sieben Merkmale gehalten, die ein Räuber in Deutschland hinterlassen hatte. Den Täter gab es dort aber auch.

Der Prozess geht Ende November weiter. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2004)