Berlin/Wien - Der Österreicher Joachim Hildebrandt (66) will von den deutschen Behörden ein Grundstück im früheren DDR-"Todesstreifen" zurückerhalten, das seiner Mutter Charlotte enteignet worden war. Die 5.600 Quadratmeter große Liegenschaft in Berlin-Treptow befindet sich dort, wo im Jahr 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde. Wie die Tageszeitung "Die Presse" (Dienstagsausgabe) weiter berichtet, weigerte sich die Bundesrepublik Deutschland bisher, Hildebrandt das Grundstück zurückzugeben, obwohl die Enteignung dem damaligen Aliierten-Recht in Berlin widersprochen habe.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands waren die von der DDR enteigneten Grundstücke des Todesstreifens dem Bund zugefallen. Dieser wollte die Gründe den Alteigentümern nicht zurückgeben, sondern "zurückverkaufen". Das will Hildebrandt aber nicht tun, da es sich dabei um "Hehlerei" handeln würde. "Was sich der Staat damals widerrechtlich angeeignet hat, kann man doch nicht zurückkaufen", sagte er der "Presse".

Hildebrandt beklagt, dass die Behörden das geltende Rückgaberecht beugen. Schließlich gingen sie vom Grundsatz "Rückgabe vor Entschädigung" ausgerechnet in jenen Fällen ab, in denen sie selbst ein Grundstück rückerstatten müssten. Am Dienstag - dem 15. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989 - will Hildebrandt daher gemeinsam mit Mitstreitern seiner "Interessensgemeinschaft Mauerstreifen" eine Kundgebung in Berlin abhalten. "Keine Geschäfte mit dem Todesstreifen", steht auf einer Bautafel, die er vorbereitet hat. (APA)