Rom - In der italienischen Regierung hat ein zähes Ringen um neue Posten eingesetzt. Ministerpräsident Silvio Berlusconi wollte am Dienstagabend den Posten des Außenministers neu besetzen. Der bisherige Amtsinhaber Franco Frattini soll anstelle des umstrittenen Europaministers Rocco Buttiglione, der wegen seiner konservativen Ansichten in die Kritik geraten war, als EU-Kommissar nach Brüssel gehen. Das Kabinett wollte nach 21.00 Uhr zu Beratungen zusammentreffen.

Politische Beobachter erwarten, dass Berlusconi den stellvertretenden Ministerpräsidenten Gianfranco Fini als neuen Außenminister einsetzt. Dieser Schritt dürfte einen umfassenden Umbau des Kabinetts nach sich ziehen, den Berlusconi eigentlich vermeiden wollte. Sowohl der christlich-demokratische Koalitionspartner UDC als auch die Liga Nord haben mehr Einfluss gefordert.

Eng verbunden mit den Personalfragen ist das Thema Steuerreform: Berlusconi will die Zustimmung des Kabinetts für Steuersenkungen im nächsten Jahr erreichen. Finis Nationale Allianz hat die von Berlusconi favorisierten Pläne als unfair kritisiert, diese kämen nur den Reichen zugute.

Allerdings ist Fini laut italienischen Zeitungsberichten offenbar bereit, den Widerstand gegen die Steuerreform im Gegenzug für den Außenminister-Posten aufzugeben. Dies wäre der bisher höchste Posten für den früheren Führer der italienischen Neofaschisten. (APA/AP)