Stockholm - Die definitive Beurteilung des psychischen Zustandes des am Mord an der schwedischen Außenministerin Anna Lindh verurteilten Mijailo Mijailovic hat sich schwieriger als erwartet erwiesen. Der Oberste Gerichtshof in Stockholm hörte am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit Experten, die jeweils unterschiedliche Auffassungen zu der für das endgültige Urteil entscheidenden Frage vertraten.

Die Schlussplädoyers von Staatsanwalt Nils Rekke und Verteidiger Mikael Nilsson mussten daher voerschoben werden und sind nun für Freitag, vorgesehen. Es wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft auf eine Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen Mordes wie im Ersturteil plädiert. Die Verteidigung wird vermutlich versuchen, Mijailovic als unzurechnungsfähig zu erklären und damit eine Einweisung des 25-jährigen in psychiatrische Obsorge zu erreichen. Ob das Urteil schon morgen fällt, ist ungewiss.

Mijailovic schweigt auch vor dem Obersten Gericht

Der verurteilte Mörder Mijailo Mijailovic, will auch vor dem Stockholmer Höchstgericht schweigen. Der 25-jährige Serbe, der am Mittwoch wie zumeist auch bei den vorangegangenen Prozessen in erster und zweiter Instanz schweigend und mit gesenktem Kopf im Verhandlungssaal saß, ließ über seinen Anwalt Mikael Nilsson mitteilen, er habe keine Kraft, Fragen zu beantworten.

Der 25-jährige Mijailovic war im März dieses Jahres zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht änderte die Strafe ab und wies den Verurteilten in eine geschlossene psychiatrische Anstalt ein. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Mijailovic legten dagegen Berufung ein. Im September wurde Mijailovic wegen verschlechterten Gesundheitszustands aus dem Kronoborg-Gefängnis in Stockholm in eine psychiatrische Klinik nach Sundsvall überstellt. Mitte Oktober erklärte er, den Kindern seines Opfers je 100.000 Kronen Schadenersatz (10.970 Euro) bezahlen zu wollen.

Mijailovic, der mittlerweile seine schwedische Staatsbürgerschaft abgelegt hat, hatte Außenministerin Lindh am 10. September 2003 in einem Stockholmer Kaufhaus mit einem Messer erstochen. Vor Gericht erklärte der 25-jährige Sohn serbischer Auswanderer, innere Stimmen hätten ihm die Tat anbefohlen. (APA)