Leipzig - Der designierte Gewandhauskapellmeister und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig, Riccardo Chailly, hat noch vor seiner Pult-Premiere mit Rücktritt gedroht. Auslöser dafür ist der anhaltende Streit um die Verteilung künftiger Finanzmittel. Die Stadt hatte die Kulturbetriebe der Stadt aufgefordert, die jährlichen Personalkosten um rund zwei Millionen Euro zu senken.

Zeigefinger erhoben

"Chailly soll die Musikstadt auch international vertreten und zur weiteren Positionierung beitragen. Ohne künstlerische Planungssicherheit ist das unmöglich", sagte Gewandhausdirektor Andreas Schulz: "Chailly steht zu Leipzig, hat aber mahnend den Zeigefinger erhoben. Er kann nicht mehr länger warten".

Gemeinsam mit dem Mailänder, der im September 2005 Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt ablösen soll, forderte Schulz eine "klare und rasche Entscheidung" im Rathaus: "Von Chailly wird die ganze Stadt profitieren. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen".

Der Intendant der Oper Leipzig, Henri Maier, fordert ein stärkeres Bekenntnis der Stadtoberen zu den städtischen Kulturbetrieben. Er befürchtet weitere bedrohliche Einschnitte in die kulturelle Vielfalt der Messestadt. "Was jetzt mit dem Schauspiel passiert, könnte bald schon andere Institutionen treffen", sagte Maier mit Blick auf jüngste Informationen aus dem Theater. Danach soll die Stadtverwaltung von Schauspiel-Intendant Wolfgang Engel ein Papier verlangen, das die Folgen beschreibt, wenn die Zuschüsse für die Bühne um bis zu zwei Millionen Euro gekürzt würden.

"Kein Zuckerschlecken"

Die Stadt Leipzig sieht sich zum Sparen gezwungen. "Wir haben Herrn Chailly nie etwas vorgegaukelt und ihm von Anfang an gesagt, dass die Finanzsituation der Stadt kein Zuckerschlecken ist", sagte Stadtsprecherin Kerstin Kirmes. Derzeit liefen interne Diskussionen mit den Eigenbetrieben über geplante Einsparungen. Bereits am Wochenende hatte Schauspiel-Chef Wolfgang Engel mit Rücktritt gedroht.

"Beim Gewandhausorchester ist überhaupt nicht die Rede vom Abbau von Orchesterstellen", sagte Kirmes. Der "Leipziger Volkszeitung" hatte Chailly gesagt: "Wenn Musiker gehen, gehe ich mit." Das Gewandhausorchester ist mit 185 Stellen das weltweit größte Berufsorchester und spielt auch in der Thomaskirche und der Oper Leipzig. Am Abend sollte der künftige 19. Gewandhauskapellmeister in der Oper mit dem Chorwerk "Messa Da Requiem" von Guiseppe Verdi sein Pult-Debüt geben. (APA/dpa)