Stephen Shore:
Proton Avenue, Gull Lake, Saskatchewan, 1974

Foto: Akademie/ Stephen Shore
Wien - Explizit "Uncommon Places" der USA - trostlose Motelzimmer, sandbedeckte Gassen in texanischen Kaffs, Kreuzungen mitten im Nirgendwo - hat der US-Fotograf Stephen Shore ab Mitte der 70er Jahre eingefangen. Die Serie ist nun Teil der Ausstellung "Biographical Landscape", die bis zum 12. Dezember in der Akademie der Bildenden Künste Wien zu sehen ist.

Stilisierte Ansichtskarten

Mit der etwa 100 Fotografien umfassenden Schau sollen die "uncommon places" chronologisch in das künstlerische Schaffen Shores eingebettet werden, so Rektor Stephan Schmidt-Wulffen bei der Pressepräsentation. Der 1947 in New York geborene Shore wurde einer der einflussreichsten US-Fotografen und für drei Jahre Mitstreiter des Pop Art-Meisters Andy Warhol in dessen "Factory". Im Vorjahr war der bei der heutigen Präsentation anwesende Shore als Gastprofessor an der Akademie tätig.

Die früheren Arbeiten, die unmittelbar nach Shores Verlassen der "Factory" entstanden sind, kreisen um Bewegung, nicht nur der Motive, sondern auch des Fotografen selbst. Stilisierte Ansichtskarten mit grell blauem Himmel, Tagebuch-artige Schnappschüsse aus Lebenssituationen des Alltages sowie gefundene Fotos oder von einem befreundeten Staatsanwalt zur Verfügung gestellte Porno- oder Crimebilder aus der Ausstellung "all the meat you can eat" (1972) zeigen die konzeptuelle Seite von Shores Schaffen.

"Bildausschnitt als Zufall"

Mit einer großformatigen und entsprechend schwer zu hantierenden Plattenkamera ist Shore ab 1974 den US-Landschaften sowie u. a. seinen Hotelzimmern, Frühstücksomelettes oder Straßenzügen entgegengetreten und hat diese Aufnahmen - fernab vom Schnappschusscharakter - streng nach geometrischen Kompositionsmethoden konzipiert. Häuserfronten, Stromleitungen, Verkehrsschilder bilden strenge Linien, die sich der abstrakten Flächenmalerei annähern.

Nach 1976 ging Shore dann mit umgekehrten Vorzeichen an seine Motive heran, von zentralperspektivischen Aufnahmen zur Ablehnung jedes klaren Bildschwerpunkts und vorgegebener Sichtweisen. Shore thematisierte den "Bildausschnitt als Zufall", so Schmidt-Wulffen.

Die "uncommon places" sind in der Akademie streng chronologisch gehängt, um auch die Ortsbewegung des viel reisenden Fotografen zu thematisieren. Im Anschluss wird auch die Ausstellung auf Reise gehen und in Paris, Los Angeles, Vancouver und London zu sehen sein. In der Akademie ist auch das 2004 neu aufgelegte Buch "Uncommon Places: The Complete Works" zu erhalten. (APA)