Wien - Der 3. Senat der Übernahmekommission hat am Freitag in den frühen Morgenstunden wie erwartet "die Sperrfrist für die Siemens AG Österreich mit Beschluss vom 12.11.2004 mit sofortiger Wirkung aufgehoben". Siemens hat am Freitag die nächtliche Entscheidung begrüßt.

"Aufhebung verletzt keine VA Tech-Interessen"

Als Begründung ihrer Entscheidung hat die Übernahmekommission angeführt, dass weder die Interessen der Zielgesellschaft, also der VA Tech, noch jene ihrer Aktionäre durch einen solchen Schritt verletzt würden. Die Kommission stellte fest, dass der von Siemens angekündigte Preis über dem in den vergangenen drei Jahren errichten Börsekurs liege und lediglich an gesetzlich gebotene Bedingungen geknüpft sei - und daher "den Interessen der Aktionäre von VA Tech grundsätzlich entsprechen wird".

Dass die Interessen der VA Tech nicht verletzt würden, sei nicht ohne weiteres gewährleistet gewesen. Die Kommission verweist dabei auf ein mögliches Szenario, in dem die VA Tech die von ihr geplante Kapitalerhöhung wegen des Übernahmeangebots nicht durchführen kann, zugleich aber auch das Übernahmeangebot scheitert: "Im Falle des Scheiterns des Übernahmeangebots würde es aber auch keinen die Kreditwürdigkeit (der VA Tech, Anm.) stützenden neuen Mehrheitsaktionär geben."

Grundsatzerklärung von Siemens

Um diese Bedenken zu zerstreuen habe Siemens angeboten, "im Falle des (aus Sicht von Siemens sehr unwahrscheinlichen) Scheiterns des Angebots an einer unmittelbar nach dem Scheitern durchzuführenden Kapitalerhöhung gegebenenfalls im Umfang der Beteiligung von Siemens teilzunehmen". Darüber hinaus habe Siemens eine Grundsatzerklärung über die beabsichtigte Geschäftspolitik vorgelegt. "Unter Berücksichtigung dieser Erklärungen von Siemens erachtete der zuständige Senat die Voraussetzungen der Aufhebung der Sperrfrist für gegeben und fasste stimmeneinhellig den entsprechenden Beschluss."

Siemens-Angebot Anfang nächster Woche

Bereits Anfang nächster Woche will Siemens nun ein Übernahmeoffert vorlegen. "Wir arbeiten Tag und Nacht, um das Übernahmeangebot fertigzustellen", sagte ein Siemens-Sprecher in München am Freitag Nachmittag zur APA. "Wir gehen davon aus, dass wir das Angebot Anfang nächster Woche der Übernahmekommission vorlegen."

Die Kommission hat das Offert dann innerhalb von zehn Börsentagen nach inhaltlichen und formalen Kriterien zu prüfen, ehe es öffentlich freigegeben wird. Wie berichtet will Siemens über seine österreichische Tochter 55 Euro pro VA Tech-Aktie bieten, damit würde man für die Übernahme mehr als 840 Mio. Euro flüssig machen.

Pierer: 55 Euro "letztes Offert"

Siemens-Konzernchef Heinrich von Pierer hatte am Donnerstag betont, das Angebot, 55 Euro pro Aktie zu zahlen, sei "das letzte Offert". Dies offenbar, um Spekulationen aus dem zuletzt hoch geschossenen Aktienkurs zu nehmen. Von der staatlichen Industrieholding ÖIAG, die bereits am Mittwoch grundsätzliche Bereitschaft für den Verkauf ihres knapp 15-prozentigen Anteils signalisiert hat, war indes deponiert worden, einen höheren Preis zu erwarten.

Das geplante Takeover soll über Siemens Österreich erfolgen. Deren Vorstandschef Albert Hochleitner sitzt zur Stunde in Beratungen zur "Causa Prima", wie es aus seinem Haus hieß.

Pläne geschmiedet

Die Pläne für den ersten Takeover-Versuch vor zwei Monaten hatte Siemens mit dem damaligen Großaktionär Mirko Kovats geschmiedet, nach massivem Widerstand aus der Politik und der VA Tech selbst aber wieder fallen lassen. Vergangenen Sonntag gab Kovats überraschend den Verkauf seines 16,7-prozentigen VA Tech-Anteils an Siemens bekannt. Gleich am Montag kündigte die Österreich-Tochter des Münchener Multis an, die ganze VA Tech übernehmen zu wollen. Noch am selben Abend beantragte Siemens eine Verkürzung der Angebots-Sperrfrist.

Ganz ausgeschlossen wird auch nicht, dass der US-Konzern General Electric (GE), der seit Monaten ein Übernahmeangebot für VA Tech prüfen soll, im letzten Moment noch in die Arena steigt. (APA)