In der Sprache konstituiert sich viel von der Essenz jedes Einzelnen: Sie verleiht seinen Gedanken und Wünschen Ausdruck, sie formt und prägt auch sein Denken und seine Mentalität.

Je besser die Substanz, aus der dieses Werkzeug geformt ist, je präziser und differenzierter es eingesetzt werden kann, umso besser wird es auch der Sache des Sprechers dienen. Je stumpfer es umgekehrt ist und je ungeschickter es gehandhabt wird, desto riskanter wird sein Gebrauch; hierzu hat auch die US-Politik in jüngerer Zeit Beispiele geliefert.

Aus Arafats Mund hat man nie einen ordentlichen, wohlgestalten arabischen Satz vernommen. Die sprachlichen Sturzbäche, in denen er sich artikulierte, waren immer ein Chaos aus Wörtern, Slogans, Adjektiven und Präpositionen, die sich ohne Achten auf die Regeln der arabischen Sprache aneinander reihten. Seine Mitarbeiter mussten selbst erraten, welche Absichten und Ideen sich in diesem Mischmasch aus Worten verbargen. Über Jahre hin sah so auch die Politik aus, die Arafat im Namen des palästinensischen Volkes betrieb.

Bis zum Letzten war nun nicht nur dieses Volk, sondern auch die palästinensische Führung dazu verurteilt, über die Krankheit des "Führers und Symbols" und über seine möglichen Absichten hinsichtlich der Zukunft der Palästinenser zu rätseln und zu spekulieren. Selbst Arafats Tod hat also dieser Industrie der Orientierungslosigkeit kein Ende gesetzt. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2004)