Wien - Gegen die am Wochenende kursierenden Meldungen über neue Pläne der Post zur Schließung hunderter Postämter verwehrt sich FP-Staatssekretär Eduard Mainoni strikt. Am Sonntag sagte der von Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FP) für die Post abgestellte Staatssekretär zum STANDARD: "Die Schließungswelle der Post ist 2002 abgeschlossen worden. Damals waren mehr als 600 Filialen betroffen. Wenn die Post jetzt wieder von nötigen Kostenoptimierungen in der Höhe von 22,7 Millionen Euro spricht, muss sich Post-General Anton Wais etwas anderes einfallen lassen. Alles, was das bestehende Netz an Postämtern weiter ausdünnt, entspricht nicht mehr der flächendeckenden Versorgung."

Erst am Samstag verlautbarte aus der Post, dass eine wirtschaftliche Überprüfung der Standorte des Filialnetzes ergeben habe, dass 20 bis 25 Prozent der derzeit 1640 Postfilialen bedingt durch die geringe Kundennachfrage "stark defizitär" seien. Damit könnten bis zu 410 Postämter von einer Schließung bedroht sein. Bisher war immer von 350 die Rede. Laut Post soll es dabei aber zu keiner Kündigung von Mitarbeitern kommen.

In einer Aussendung der Post AG hieß es, das Geschäftsfeld "Filialnetz" müsse bis zum Jahr 2007 Einsparungen in der Höhe von 22,7 Mio. Euro erzielen, um auch in Zukunft eine flächendeckende Versorgung mit Postgeschäftsstellen aufrechterhalten zu können.

Post: "Akuter Handlungsbedarf"

Für die stark defizitären Filialen bestünde aus Sicht des Unternehmens "im Sinne der Absicherung eines zukünftigen Filialnetzes der Post akuter Handlungsbedarf. Das Setzen von Maßnahmen aus wirtschaftlichen Gründen ist unbedingt erforderlich."

Neben der Änderung der Öffnungszeiten, dem Einsatz von Post-Partnern, Post-Servicestellen und Landzustellern, die Postsendungen auch entgegennehmen und ein Kernangebot bei Finanzdienstleistungen der P.S.K. anbieten, sei auch eine Zusammenlegung bzw. eine Substitution von Standorten möglich.

"In keinem Fall werden Standorte ersatzlos aufgelassen", hieß es. Sämtliche notwendigen Maßnahmen zu dieser Neuordnung des Filialnetzes sollen bis Juni 2005 abgeschlossen sein.

Ministerium: Keine Vorwarnung

Das sieht Mainoni, der sich am Dienstag mit Post-Chef Wais zusammensetzt, um die Situation zu diskutieren, anders: Laut Mainoni habe die Post die Regulierungsbehörde - also das Ministerium - zwei Jahre im Voraus zu informieren, wenn Änderungen im Filialnetz anstünden. In einem Schreiben des Postvorstandes vom März 2004 an das Ministerium sei davon nichts erwähnt worden.

Ruhig ist es in der Zwischenzeit um das Thema "Partnersuche" für die Post geworden. Wie alle andere Beteiligungen der Staatsholding ÖIAG - mit Ausnahme der AUA und der OMV - steht auch die Post auf der Privatisierungsliste der Regierung. Doch Mainoni winkt ab: "Aus heutiger Sicht gehe ich davon aus, dass die Post bei der ÖIAG bleibt." (miba/DER STANDARD Printausgabe, 15.11.2004)