München - Die Aktien der Siemens-Chiptochter Infineon kommen zum höchstmöglichen Emissionspreis von 35 Euro an den Markt. Die Platzierung sei 33-fach überzeichnet, teilte der Halbleiter-Konzern am Sonntag in München mit. Die Aktien würden Privatanlegern per Losverfahren zugeteilt. In dem größten Börsengang seit der Deutschen Telekom werden rund 174 Millionen Namensaktien ausgegeben. Mit rund 60 Prozent geht ein Großteil der Aktien an Fonds, Versicherer und andere institutionelle Anleger. Die neue Aktie wird in Frankfurt und New York notiert. Für den ersten Handelstag rechnen Händler mit Kurssprüngen. In den vorbörslichen Taxpreisen wurden die Aktien bis zu einem Kurs von 100 Euro geschätzt. Die Preisspanne ffür den Börsengang hatte zwischen 29 und 35 Euro. Infineon-Chef Ulrich Schumacher wird persönlich am Morgen in Frankfurt und am Abend in der New Yorker Wall Street seine Aktien auf dem Parkett einführen. Siemens gibt rund 29 Prozent seiner Anteile an dem Tochter-Unternehmen ab. Das Platzierungsvolumen liegt bei etwa sechs Milliarden Euro. In dem Angebot enthalten sind 17 Millionen neue Aktien, die Infineon im Zuge einer Erhöhung des Grundkapitals durch Umwandlung von Rücklagen ausgibt. Den Wert des gesamten Unternehmens schätzen Experten auf bis zu 40 Milliarden Mark. In diesem Jahr sollen nach Angaben Schumachers keine weiteren Aktien mehr platziert werden, 2001 soll Siemens dann die Mehrheit an dem Unternehmen abgeben. Im Vorfeld des Börsenganges war es bei Banken zu einem wahren Ansturm auf Infineon-Aktien gekommen. Die Chance, bei der Zuteilung berücksichtigt zu werden, verglich ein Bankberater jedoch als Roulette-Spiel. "Da müssen Sie Glück haben", hieß es. Etwas günstigere Aussichtern hätten Anleger, die die Aktien in der Frühphase vor dem 1. März gezeichnet hätten. Sie zahlen als Bonus überdies einen Euro weniger pro zugeteilter Aktie. Ob ein Privatanleger tatsächlich zum Zuge gekommen ist, wird sich vermutlich erst am Dienstag entscheiden, einen Tag nach der Erstnotierung. Engpässe erwarten Händler, wenn viele Anleger ihre voraussichtlich satten Kursgewinne gleich wieder realisieren wollen. In dem Fall drohten die Telefonleitungen zu überlasten, hieß es. Schon vor der Erstnotierung sieht Siemens in Infineon einen neuen Anwärter auf den Deutschen Aktienindex (Dax). Dort wird ein Platz frei durch den geplanten Zusammenschluss von Deutscher Bank und Dresdner Bank. Neben dem Mutterkonzern ist bereits die Epcos AG, der frühere Siemens-Bereich Passive Bauelemente, in dem Segment vertreten. (Reuters)